Auf und davon?

Der Fernsehsender VOX produziert eine Dokusoap namens Auf und davon – mein Auslandstagebuch

Bis vor einiger Zeit habe ich die Sendung ganz gerne gesehen, dann, wenn wir verkatert waren vom Feiern oder hundsmüde von einer Wanderung, wenn wir also schlicht und einfach die Zeit zwischen Wohnzimmer, Küche und Klo verbrachten – in beliebiger Reihenfolge. Am Anfang hatte ich den Eindruck, dass dies endlich einmal eine Sendung sei, die positiv besetzt ist. Kein schamloses Vorführen und Demütigen von Menschen, die beim Unterzeichnen des Vertrags mit dem Sender so schnell über den Tisch gezogen wurden, dass sie die Reibungshitze für Nestwärme hielten. Die begleiteten Personen waren keine strutzdummen, saufenden, asozialen Versager sondern Schülerinnen und Schüler, die ihr Auslandsjahr per Video dokumentierten. So zumindest wurde es dargestellt. Es wurden Jugendliche begleitet, die in Europa, den USA, Asien, Mittelamerika und Südamerika als Au-Pair arbeiteten.

Der Rahmen war klar: Jugendliche machen ein Auslandsjahr und VOX darf ihnen dabei über die Schulter schauen. Sympathische Leute, die das, was sie taten, zum Großteil richtig machten oder sich zumindest glaubhaft darum bemühten, es gut zu machen. Es war eine nette und gute Sendung, VOX hin oder her. Die Einblicke in das Lebender Gastfamilien war dezent und interessant, die Lebensgeschichten durchwegs glaubhaft.

Und dann kam die Katzenberger. Schon vorher zeichnete sich eine Änderung im Sendungsinhalt ab. Sah man früher pro Folge alterierend drei Geschichten, wurden daraus bald zwei Geschichten, die durch zahlreiche Wiederholungen in die Länge gezogen wurden, um Platz für die Werbeblöcke zu bieten. Die Geschichten wurden flacher und uninteressanter, und weil VOX augenscheinlich keine Jugendlichen mehr fand, die man bei ihrem Auslandsjahr begleiten konnte, wurde die Sendung mit allem möglichen aufgefüllt, was irgendwie mit Ausland zu tun hatte.: Mädchen, die einen Modeljob in Amerika wollten oder Leute, die mit einer Geschäftsidee durchzustarten versuchten. Und dann eben die Katzenberger. Eine nur zu trostlosen Adektiven hinreißende Person, bei der alles durchschnittlich ist, bis auf ihr Aussehen, dass ist einfach nur bedauerlich. Wäre ich hetero, wäre ich nach einer Begegnung mit ihr schwul. Und sehr glücklich.

Die Katzenberger bestätigte – als ob sie vom Fernsehen dazu geschaffen worden wäre – meinen Vorurteil: Untalentierte Fernsehmacher hieven uninteressante Leute ins Scheinwerferlicht, damit sie dort Belangloses aus ihrem uninteressanten Leben zum Besten geben dürfen. Und zwar nach uninspirierten, heuchlerischen und durch und durch dämlichen Scripts.

Auf und Davon ist ein weiterer Beweis, dass eine an und für sich gute Sendeidee von schwachsinnigen und pivottabellengesteuerten Schmocks in Grund und Boden gefickt werden kann. Nun, positiv ist, dass ich wieder mehr Zeit zum Lesen habe. Katzenberger auf Mallorca, die Weißblonde bei den lallenden Kübelkotzern … augenscheinlich ist jeder dort, wo er hingehört.

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Literarische Sehschwierigkeiten

Mit zunehmendem Alter stelle ich bei mir eine leichte Sehstörung fest: Wenn ich lange Zeit konzentriert auf etwas blicke, das etwas weiter weg ist, dauert es ein paar Sekunden, bis ich das, was näher ist, wieder scharf erkennen kann.

Beim Schreiben ist mir ein ähnlicher Effekt aufgefallen: Je länger ich mich auf ferne, absurde und aufsehenerregende Handlungen konzentriere, desto mehr leidet meine Fähigkeit, die Spannungen und Werte der “nahen” Geschichten scharf zu sehen. Genau das aber brauche ich jetzt, um meine Radfahrergeschichte, eine längere Novelle zu schreiben. Keine Geister und Dämonen (Außer die einer in die Jahre gekommenen Revolution, die fast nur noch aus Patina und Kettengerassel besteht), keine absurden Grausamkeiten, keine wahnsinnigen Mörder und Verräter.

Einfach die Geschichte eines jungen Kubaners, der sich allein durch das definiert, was er tut: Radfahren. Sein Tribut an die Monumente der Revolution, seine Hoffnung, durch sein Tun einen Hauch davon zu erhalten, und für andere als Erstrebenswert darzustellen. Ich glaube, das kann eine sehr interessante Geschichte werden.

Ich sehe noch ein wenig unscharf, hab noch Blendenflecke vor meinem inneren Auge. Aber ich schätze, das gibt sich bald.

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Das Ziel einer Castingshow …

ist eine Castingshow:

Die Zahl der Menschen, die schon einmal im Fernsehen waren, ist rapide gewachsen. Auch dank Castingshows und Reality-TV wechselt eine steigende Zahl normaler Bürger von der Zuschauer- in die Akteursrolle, macht Bekanntschaft mit dem Inszenierungsgeschäft und schafft es einen flüchtigen Moment lang, die Blicke der Millionen anderen auf sich zu ziehen. Neben die Stars der alten Schule, die ihren Status durch Professionalität, Können und ein sorgfältig aufgebautes Image erreicht haben, treten junge Menschen, für die Leistung, Talent, Ausbildung keine zwingenden Voraussetzungen mehr sind. Eine der Folgen einer radikal demokratisierten Prominenz, in der Intimität gegen Publizität getauscht wird: Der Superstar im Zeitalter seiner medialen Reproduzierbarkeit verliert, was einst seine Aura ausgemacht hat: den „Nimbus der Unerreichbarkeit“ (Miriam Meckel) und ein nie ganz auflösbares Geheimnis, das ihn umgibt. Heute erscheint er dagegen zwar weiterhin als bewundertes Gegenüber, aber man kann es ihm doch prinzipiell gleichtun.

(Auszug aus dem Artikel: Die Gesellschaft der Beachtungsexzesse von Von Bernhard Pörksen und Wolfgang Krischke), der ganze Artikel auf: faz.net: http://goo.gl/Rbe6

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Das mitleidlose Herz

Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Geldspenden in Bezug auf die Flutkatastrophe in Pakistan vermittelt einen rechten guten Eindruck, wie Rechtsradikalität und Nationalkonservatismus heute funktionieren.
Die Rechten sind keine im Stechschritt marschierenden, Doc Martens tragende Glatzköpfe, die nach Bier stinken und denen man die Verrohung meilenweit gegen den Wind ansieht. Und mit dieser Tatsache kokettieren die Rechtsrechten auch, wenn sie sich in Foren darüber auslassen. Ihr Credo ist: Es gibt keine Rechtsradikalen mehr, denn man sieht ja keine Skinheads mehr auf den Straßen. Zumindest fast keine. Der Eindruck, den sie zu vermitteln versuchen ist, daß der Nationalsozialismus in der Mitte angekommen sei.

Es gibt keine Rechten mehr, denn sie sind bürgerlich geworden.

Die Diskussion um die Spenden ist da recht aufschlussreich. Einige der Hauptargumente der Spendengegner sind:
• Das Geld kommt eh bei denen nie an, weil die aufgeblähten Hilfsorganisationen den Großteil der Kohle selbst einsacken
• Das Geld erreicht nie und nimmer die Betroffenen, weil es sich die Oberschicht einsackt
• Daß sind bitte Moslems, denen sollen doch die Taliban helfen. Und Allah.
• Wir sollen doch bitte zuerst einmal den eigenen Leuten helfen, den Landsleuten, die im Elend leben.
• Wir haben ja schon durch unser Steuergeld gespendet.

Es wäre müßig, auf die einzelnen Punkte einzugehen. Fakt ist, dass im Umgang mit Spendengeldern sicherlich Optimierungsbedarf herrscht. Dies jedoch in Diskussionen und als Entscheidungsgrundlage für das eigene Tun heranzuziehen, ist heuchlerisch.

Beobachtet man über einen längeren Zeitraum die Diskussionen um Spenden, die ins Ausland gehen, entdeckt man mit schöner Regelmäßigkeit, dass 90 % der Spendengegner in den selben Foren schon in früheren Postings als ausländerfeindlich, roh und zynisch aufgefallen sind. Was sie vom gerne transportierten Bild der Neonazis unterscheidet ist, dass sie ihre Ansichten und Meinungen als vernunftbetont und klarsichtig verkaufen. Dahinter stecken immer und immer wieder die beiden Grundeigenschaften des Rechtsradikalen: Mitleidlosigkeit und Egoismus.
Sie trachten in allem, was sie als Meinung verkaufen danach, die natürliche Fähigkeit des Menschen, Mitleid zu empfinden, aufzulösen und als träumerisch und linkslinks, als staatsfeindlich zu vernadern. Ihre Argumentationen sind nach dem Prinzip des Rabulismus aufgebaut, sind also in sich so logisch, dass die dadurch geschaffene eigene Logik argumentativ fast nicht mehr aufzubrechen ist. Folgt man der augenscheinlich Vernunft ihrer Argumente, entdeckt man sehr schnell, wie verführerisch das Grundkonzept des “Die eigenen Leute zuerst” Denkens ist.

Dröselt man jedoch die Argumentationsschienen auf, entdeckt man sehr schnell, dass all die, die sich als Stimmen der nationalen Vernunft verkaufen, selbst nie auf der Geberseite stehen. Der Ruf: “Die eigenen Leute zuerst” geht leicht über ihre Lippen, ist aber nie mehr als eine Aufforderung an “die anderen”, das Geld im Lande zu belassen. Leute, die sich strikt gegen Spenden ins Ausland aussprechen und ihre Mitleidlosigkeit und ihren Egoismus als Vernunft verkleiden, die spenden auch im Inland nichts. Sie beteiligen sich an keinerlei karitativen Einrichtungen, spenden weder Geld, noch Zeit noch Trost. In Wirklichkeit sehen sie sich ausgeblutet durch den Staat und verlangen stets Aufmerksamkeit und Zuwendung. Und jede Hilfsaktion, die die wirklichen Elenden betrifft, ist eine Hilfsaktion, die nicht an sie gerichtet ist.

Die Methodik ist bestechend einfach: Betrachtet man Rechtskonservatismus als einen Versuch, Egomanie und Mitleidlosigkeit als politisches Konzept zu verkaufen, kann dieses Konzept nur Menschen direkt ansprechen, die dazu neigen, ihre eigene Menschlichkeit verrohen zu lassen. Wer das nicht glauben möchte, braucht nur in den unzähligen deutschsprachigen Internetforen mitlesen, in denen politische und gesellschaftliche Themen besprochen werden.

Eine der Lieblingsfragen der Rechtskonservativen, wenn es um Spendengelder geht, um Hilfsorganisationen, um staatliche Unterstützung künstlerischer und kultureller Organisationen: “Ja was kostet das denn?”
Die Frage impliziert Vernunft und Weitblick, ist aber in Wirklichkeit nur ein eher schlecht getarntes Zeichen dafür, dass man von rechtskonservativer Sicht die Aufmerksamkeit in Bezug auf eine Sache auf den materiellen Wert, und weg vom humanitären und gesellschaftlichen Sinn lenken möchte. Die Frage nach dem “Was kostet das” ist kreischend und laut und in der Mediendebbatte um den Wert einer Sache nicht mehr wegzudenken, spiegelt aber auch eine erschöpfende Verrohung unserer Werte wieder. Die Rechnung ist einfach: Sobald die Kosten einer Sache zum Hauptthema werden, verschwindet die Debatte um den Sinn wie von selbst. Denn alles, was etwas kostet und “vom Steuerzahler” bezahlt wird, ist etwas, das einem selbst nicht zugute kommt.

Der Rechtsradikale möchte sich gerne in Gesellschaft sehen. In Kameradschaft, wo sein weinerlicher Egoismus und seine kleine, verdröselte Mitleidlosigkeit als echter gesellschaftlicher Wert und als vernünftig anerkannt wird. Und deshalb trachtet er auch danach, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass es klug und richtig ist, nicht zu spenden, nicht zu geben, mißtrauisch zu sein, Angst zu haben. Rechtsradikale sind äußerst produktiv im Entwickeln und Ausmalen von Bedrohungsszenarien – wie zum Beispiel ein User im Talksalon der Krone Online stets beweist: Spendet man an Pakistan, versickert das Geld, oder noch schlimmer, es hilft den Menschen dort zu überleben. Die natürliche Auslese durch die Natur würde unterlaufen werden und die Überlebenden könnten bei dem Versuch, dem Elend ihres Landes zu entgehen, Europa überrollen.

Die Argumentation ist bestechend: Spendet man, unterstützt und fördert man sozusagen ein Bedrohungsszenario: zig millionen von ausgehungerten Pakistani könnten als Flüchtlingswelle nach Europa rollen, der Familienzuzug würde gewährleisten, dass man ihre Familien nachholen müsste und wir alle würden überlaufen werden.

So argumentieren Menschen, die man mit Fug & Recht als Neonazis bezeichnen kann. Sie tragen keine Schnürstiefel mehr, rasieren sich keine Glatzen und sie sitzen nicht Abend für Abend in billigen Spelunken und saufen sich nieder.
Sie sehen gut und gepflegt aus, sind freundlich nach allen Seiten. Und noch viel öfter sind sie selbst Nettoempfänger von mannigfaltigen Zuwendungen. Doch für sie ist es stets zuwenig, solange es Menschen gibt, denen es noch übler ergeht als ihnen selbst oder denjenigen, die sie als hilfswürdig betrachten.

Der Kreis schließt sich: Die Grundlage für Rechtsradikalität sind Egoismus und Mitleidlosigkeit. Und Rechtsradikalität verkauft sich als vernünftig und in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

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Synchron

Vermutlich geht es anderen Menschen genau so wie mir: Immer, wenn ich ein Land zum ersten Mal bereise, stelle ich fest, dass es sich von meinen Vorstellungen maßgeblich unterscheidet. Nur selten stimmt das innere Bild (Die Sonnenflecken der Wirklichkeit vor dem inneren Auge) mit der Wirklichkeit überein. Das ging mir immer schon so. Selbst als Richard und ich vorigen Sommer für ein paar Tage in die Steiermark fuhren, zum Dachstein, da stimmte das innere Bild mit der Wirklichkeit auch nicht ganz überein, obwohl ich die Ramsau von meiner Kindheit her kannte.

Der Grund, warum ich mir darüber Gedanken mache ist, dass es bei unserem Urlaub auf Kuba, und da speziell in der Altstadt von Havanna und bei den Tabakpflanzern zu einigen, für mich überraschenden Momenten der Synchronizität kam.

Mein inneres Bild war geprägt von Sepiatönen und dem Abenteuergeruch, der dem Namen Ernest Hemingway entströmt. Ich hatte, ohne je da gewesen zu sein, Havanna in Gedichten und in zumindest einer Kurzgeschichte thematisch verarbeitet. Mein inneres Bild: Ernest, Buena Vista Social Club, was Darek uns erzählte, Wolkenberge über smaragdfarbenen Wasser.

Havanna weckt beim ersten Besuch den Eindruck, dass alles, was je gebaut wurde, nur im äußersten Notfall restauriert wird. Außer dem Stadtzentrum, also Habana Vieja, in das man investiert hatte, verfallen die einst malerischen Viertel zu Schutt und Ruinen, die von den Menschen, die sie bewohnen, mit Leukoplast, Spucke und Hoffnung zusammengehalten werden. Holzgerüste in engen Gassen stützen Häuserwände, im inneren stützen morsche Holzbalken und rostige Gestelle die merkwürdigen Etagenkonstruktionen. Und doch, es gab ein paar Momente, in denen mein inneres Bild von Havanna und die Wirklichkeit sich übereinanderschoben und sich deckten:

  • Als wir im Regen in einem Lebensmittelkartenladen vor einem Wolkenbruch Schutz suchten und auf der Straße einen Mann sahen, der sich unter dem Strahl aus einer Regenrinne den Kopf wusch
  • Als wir in der Nähe der Festung an einem maroden Haus vorbeigingen, und aus einem der oberen Stockwerke das Hämmern einer Schreibmaschine erklang
  • Als wir im Dunst des feuchtheißen Tages in der Stille der Tabakfelder standen und in der Ferne die Berge im Dunst mystisch bleich zu Schemen wurden
  • Als ich mit einer Montechristo No. 2 und einer Flasche Havanna Club Anejo Blanco mit meinen Freunden auf der Mauer der Malecon saß und mein Notizbuch füllte.

Und ohne je Papa Hem zu sein, hatte ich für Sekundenbruchteile das Gefühl zu verstehen, wie man sich fühlt, wenn das literarische Ideal mit der Wirklichkeit synchronisiert wird.

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Neue Agenten und Verlage – alle verdächtig!

Ich stelle hin & wieder in den diversen Foren, in denen sich Jungautoren tummeln, eine gewisse, beinahe wehleidige Hysterie bezüglich betrügerischer Verlage und Agenturen fest, so als ob dort alle den Bohrer am offenen Zahnnerv spüren würden, sobald sich ein Verleger oder Agent direkt an sie wendet. Augenscheinlich gehen viele (nicht alle, aber doch viele) Autoren davon aus, ein Verlag oder eine Agentur kann nur dann als seriöse betrachtet werden, wenn sie seit Generationen im Zentrum der Stadt angesiedelt, noble Hartcover produzierend, von lauter alten, bruchbandtragenden Redakteuren und Agenten betrieben werden, die schon zu Schillers Zeiten wussten, wo der Bär in den Buchenweizen scheißt.

Dass es Agenten gibt, die ebenso am Start stehen wie Autoren, und dass es historisch betrachtet, durchaus fruchtbar sein kann, wenn sich junge und unveröffentlichte Autoren mit neuen Verlagen und Agenturen zusammentun, erscheint vielen der unveröffentlichten (oder kleinverlagspublizierten) Schriftstellern als halbseiden oder zumindest als befremdlich.

Natürlich gibt es betrügerische Verlage und Agenturen, die sich nicht die Bohne für die literarischen Ergüsse ihre Klientel interessieren, sondern nur, wie man ihnen das Geld aus der Tasche ziehen kann. Aber ebenso natürlich gibt es junge und hochmotivierte und engagierte neue Verleger und Agenten.

Sie alle in Bausch und Bogen zu generalverdächtigen, ist eine Mischung aus koketter, geradezu geschraubter Wehleidigkeit und weltfremder Hysterie: “Hilfe. Man hat mich angesprochen! Wie kann er nur?”

Wäre ich ein Autor mit einem etwas regelmäßigeren Output (Gattung und Schreibintervalle), würde ich mich an so einen neuen Agenten ranschmeissen, und zwar ohne wenn & aber.

Wenn er mich dann nicht nimmt, kann ich mir noch immer den Finger in den Arsch stecken und beleidigt in den poetischen Regen meiner trüben Tage starren.

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Unser Wiener Blut

Also H.C.Strache will mehr Mut für “unser” Wiener Blut? Das Wiener Blut, das so vielvölkisch gekeltert ist? Ungarn, Slowaken, Tschechen, Slawen, Rumänen, Türken … ? Das freut mich, dass er sich zu den multikulturellen Wurzeln des Wiener Blutes bekennt.

Nur ist das für ihn und seine FPÖ keine Wahlempfehlung. Denn wenn ich mehr Mut für unser Wiener Blut will, dann geh ich zum Schmied und nicht zum Schmiedl.

Und der “Schmied” ist in diesem Falle jeder (und in jeder Partei links von rechts zu finden), der nicht versucht, unser Wiener Blut auseinanderzudividieren.

Denn unsere Qualität ist Vielfalt! Davon hat der untalentierte Schüttelreimer allerdings wirklich keinen blassen Dunst.

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Die Medien und ihre Experten

Es ist immer wieder das gleiche Theater: Kaum verhält sich die Natur nicht im Rahmen, der uns genehm erscheint, mutmaßen die Redakteure der spekulativen Boulevardblätter den Weltuntergang, zumindest aber den Auftakt zu einer Serie verheerender Vorkommnisse. Und das wird dann beinahe kreischend und speichelsprühend in Großbuchstaben postuliert.

Und um ihre Thesen zu unterstreichen, kurbeln sie jedes Mal einen Experten aus der Versenkung. Leute, die sich ein wenig mit Theatertechnik auskennen, wissen, wie der Schmäh funktioniert: Man blendet das Licht ab, lässt die Stimme des Erzählers vor Erregung beben, und in dem Moment, in dem der Spannungsbogen abzureißen droht weil die angehaltene Spannung in der Stimme des Erzählers ins Lächerliche kippt, wird der Joker von der Unterbühne über einen Versenkungslift auf die Bühne gehoben. Und der bestätigt dann mit ruhiger Dozentenstimme, was der Erzähler im Apokalypsefalsett und in aufgeblähter Erregungsschwangerschaft von sich gibt.

Scheinbar findet jeder weltuntergangsfanatische Zeilenschinder seinen Experten, der für einen warmen Finger im Arsch bestätigt, was auch immer man ihn zu bestätigen bittet.

http://www.heute.at/news/welt/Experte-zu-Wetterkrise-Erst-der-Anfang;art414,389433

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Interview mit einem Schriftsteller

Ich hatte seit jeher eine Vorliebe für all jene Künstler, die abseits des Mainstreams an ihren Werken arbeiten, nur hin & wieder beinahe andächtig und weihevoll in den Medien erwähnt werden, und dann wieder abtauchen – ich liebte seit jeher die Sagengestalten der Kreativszene, so wie ich seit jeher die unsichtbaren Monster in der undurchdringlichen Finsternis der Meerestiefe liebte. Sie tauchen auf, beschämen die Funktionalkünstler, die ohne staatliche Unterstützung aus ihren Bobo Wohnungen fliegen würden, wo sie in inzüchtigen Kommunen zusammen hausen, und sich ihre Amazonkritiken gegenseitig schreiben, oder die Erfolgreichen auf den Listen, die ihre Kreativität an das Wohlwollen von Publikum und Kritiker verkauft haben … und elegant wie Wale, gewirkt aus Weisheit, Wut und literarischem Anspruch tauchen sie wieder ab. Blubb.

In der Musik ist zum Beispiel Vangelis so ein Tiefseemonster, oder Peter Gabriel, auch Edgar Froese darf sich mittlerweile dazuzählen.

In der Literatur sind es die großen alten Namen, wie zB Salinger, Proulx oder Ende, oder, gerade jetzt und für mich: Cormac McCarthy. Anlässlich der Veröffentlichung seines Romans Die Straße habe ich schon einmal einen längeren Beitrag veröffentlicht, der ging aber beim Kopieren von einem Bloganbieter zum anderen flöten.

Die von mir aufgezählten Namen unterscheidet eines von all den anderen großen und vom Literaturfeullioton geliebten Autoren: Sie wirkten nur durch ihr Werk und nicht durch zahllose Fernsehauftritte, Talkshows, Wortspenden zur Tagespolitik etc pipapo … Und Cormac McCarthy ist so ein richtiger alter Grantscherben, den ich einfach mögen muss: ein großartiger Literat, der sich erlauben darf das zu sagen, was ich mir schon immer gedacht habe und nie zu sagen wagte, weil man das als Neid & Scheitern & Geschwall auslegen könnte:

Er hat nie einen Gedanken an Leser, an ein Publikum verschwendet. Und nun, mit 59, droht ihm plötzlich der Erfolg. Er wird sich die Haare färben, sagt er, und einen falschen Paß zulegen und abtauchen über die Grenze. “Bestsellerlisten haben nichts mit Literatur zu tun.” Er schüttelt den Kopf. “Haben Sie sich die Titel einmal angeschaut die dort auf der Liste stehen? Meinen Sie etwa, es ist schmeichelhaft, in dieser Gesellschaft zu sein?” Sein Erfolg – ein entsetzliches Mißverständnis. (Der Spiegel 36/1992, 31. August 1992, S. 198)

So, und jetzt gebt Euch bitte das Interview mit Cormac McCarthy aus dem Jahr 2008

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Den Stein zu brechen

Ich bin in kalter Liebe gefangen
ein Wanderer im Tal
der starren Blicke, bin
ein Eishauch Leidenschaft
meine Hände finden Deine Zeit

Aus deinem Mund: kein Hauch
doch fällt Schnee und Frost auf deine Lippen
jetzt sehe ich: Dein Haar hat eigen
Leben, mehr an Leben gibt es nicht.
Ich tauche meine Hände in dein Grab

Dein grenzenloser Blick hält mich im Griff
nichts hält mich sonst – doch:
Deine noble Blässe, Geliebter
schreibt ein Gedicht in meinen Mund;
aus meiner Kehle dringt winterlicher Hauch

Jetzt greife ich nach deiner Hand
und bin in diesem Augenblick
ganz ich selbst oder weniger:
Der kleine, kalte Stein in meiner Brust
denn der Kern meiner Liebe ist Hass

Ich küsse deine kalten Lippen
atme mein Herz in deine Ewigkeit
löse mich von Glanz und Wahn
den Gezeiten widme ich ein Zwinkern
ehe ich zu dir steige, um den Stein zu brechen.

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