Ich mag ja auch Filmmusik, ne?
Und eine meiner ersten Anschaffungen in Sachen Filmmusik waren die Soundtracks zu Star Wars und Superman. Das waren je zwei Langspielplatten in Doppelalben mit Fotoheft und Begleittext, die volle Luxusdröhnung Musik jedenfalls.
Damals hatte ich auch die John Barry Soundtracks zu den James Bond Filmen Diamantenfieber und Du lebst nur zwei mal, und Der Spion der mich liebte, von Lalo Schifrin.
Ich glaube, meine Eltern waren ganz hin und weg, weil sich ihr damals zwölfjähriger Sohn so "schwere" Musik reinzog; für mich war es der Teppich, auf dem ich, Kopfhörer übergezogen, in meine Traumwelten sauste, speziell wenn es entweder sehr erhaben klang, oder sehr atonal.
Der Superman-Marsch war, wie auch das Star Wars Thema, ikonenhaft an das Filmthema geknüpft, und ist es auch heute noch. Krieg der Sterne kann nicht ohne Star Wars Marsch, und Superman kann nicht ohne die Fanfare, das geht ja gar nicht.
Doch.
In Bälde kommt ein neuer versuch auf die leinwand, die Geschichte von Superman zu erzählen, und weil sich die stilistischen und technischen Mittel ebenso weiterentwickeln, wie Filmsprache, Klang und künstlerisches Verständnis, haben die Filmemacher versucht, den Mann aus Stahl anders auszuleuchten, einen neuen Schwerpunkt in seiner Geschichte zu suchen.
Dann wurde auch noch bekannt, dass Hans Zimmer die Filmmusik schreiben würde, und in den Fankreisen, festverwurzelt in den filmischen Siebzigern, begann ein großes Wehklagen und Zähneknirschen, das in einer Aussage auf Youtube gipfelte, man könne doch mit Fug & recht erwarten, dass Hans Zimmer zumindest einmal die legendäre Fanfare aus der John Williams Komposition einbettet.
Und da muss ich an Stephen Kings Roman SIE denken, in dem ein verunfallter Bestsellerautor in die Hände seines größten Fans fällt, und vom Unfall ans Bett gefesselt, von ihr brutal gezwungen wird, seinen letzten und noch unveröffentlichten Roman so umzuschreiben, wie sie es gerne möchte.
Ein ähnliches besitzergreifendes und krankhaftes Fantum orte ich auch bei der Filmmusikdebatte um The man of steel. Das ist ein neuer Film und es wird die Geschichte vollkommen neu aufgerollt, in einem ganz anderen Setting und mit einer ganz anderen Erzählsprache. Filmmusik und Bildsprache verschränken sich im besten Falle zu einem emotionell und intellektuell erfassbaren und befriedigenden Gesamteindruck.
Ich weiß nicht, wie Hans Zimmer´s Musik klingen wird, die paar Auszüge, die man bisher hören konnte, lassen für mich keine Rückschlüsse zu. Ich unterstelle ihm jedenfalls die nötige Demut und Ernsthaftigkeit, sich einer solchen Komposition ganz und gar zu widmen. Und wenn überhaupt, sollten wir doch erst dann richten und urteilen, wenn wir den Film gesehen haben und verstehen, wie Klang und Bild ineinander greifen, oder?
Hans, gib Gas :-)
Peter Nathschläger
Schriftsteller & Herumtreiber
16.05.2013
14.05.2013
Die Unabhängigen mit Qualität
Ich gebe zu, ich beobachte den Buchmarkt und die Literaturwelt nur sehr lasch, außer, es gibt Grund zum meckern. Das ist so, seitdem ich mich aus dem Gewirr von Selbstveröffentlichern, Freundschaftsrezensionen, bestellte Bewertungen auf Amazon, hickhackenden Kleinstverlegern und hochnäsiger, eitler und betrügerischer Rezensionen im Literatur-Feuilleton zurückgezogen habe. Wenn ich neue Bücher lesen will, schaue ich, was meine Lieblingsautoren so auf ihrem Bücherboard haben, und der Rest ist mir wurscht.
So.
In einer Diskussion im Schriftstellerforum www.dsfo.de wurde einmal durchgekaut, wie sich der Literaturmarkt selbst einrenken könnte, wenn man sich heute nicht einmal mehr auf die Wertungen durch große seiten und Zeitungen verlassen kann - kurz: woher bitte soll der geschätzte Leser und Bücherkäufer wissen, was er kaufen soll, ohne dabei halbblind vor wohliger Werbung, funkelnder Rezensionssterne und geschmeidiger Selbstvermarktung der Autoren herumzutaumeln?
Einen Ansatz boten die Bemühungen der Alisha Bionda, ein weiblicher Hansdampf-in-allen-Gassen der im Web verankerten Literaturszene, spezialisiert auf Sci-Fi, Utopien, Dystopien, Fantasy, udgm. Das Geflecht der Alisha entpuppte sich aber dann doch recht rasch als ein sich selbst sehr gefälliges Autoren/Rezensenten/Verleger Komglomerat, in dem immer wieder die gleichen Autoren, Verleger und Rezensenten einander Rosen streuen und Puderzucker in den Arsch blasen. Ein Literaturbiotop mit Semiindieanspruch. Die Einflussnahme auf Leserwahrnehmung jedenfalls ist äußerst vital gelebt und praktiziert; außerhalb dieser Blase jedoch verdunstet der Einfluss sehr rasch und nachhaltig.
Einen neuen Weg versuchen nun Indie-Autoren zu gehen, und deren Ansatz gefällt mir recht gut:
Wir glauben an gute Bücher. Wir sind fest davon überzeugt, dass viele gute Bücher auf dieser Welt existieren, die nicht zu ihren Lesern finden. Wir wissen, dass Verlage nicht die allein seligmachenden Herstellungsorte für gute Bücher sind. Wir sehen, dass die Zeit gekommen ist, gute Bücher von schlechten zu trennen und sie zu zeichnen, auf dass die Verwirrung der LeserInnen ein Ende finde.
--> weiterlesen
Das taugt mir schon, ehrlich. Ich will ja auch gar nicht zänkisch sein, aber ... Wer kann garantieren, dass sich das hehre Ziel, sprachlich gut verfasste Literatur zu markieren, nicht in naher Zukunft in eine neue Form der geschmäcklerischen Zensur verwandelt? Wenn Mittel und Methoden zur Erkennung sprachlich gelungener Werke eingesetzt werden, um unliebsame Schriftsteller auszuschließen, Themen, die "nicht gemocht" werden, auszuklammern? Wer kontrolliert das Korrektiv, wenn es sich doch selbst eine Art Kontrolle anmaßt? Wer wählt die Autoren aus, die sich zu einem Korrektiv zusammenfinden? Natürlich sind meine Fragen hier miesepetrig. Aber wer kann schon orakeln, dass aus diesem Korrektiv nicht ein weiteres, in sich abgeschlossenes Biotop sich selbst beweihräuchernder Indies wird, deren Bewertungsgrundlage geschmäcklerisch ist und nicht objektiv?
Ich werde mal mit denen Kontakt aufnehmen und ein paar Fragen stellen :-)
http://www.qindie.de
So.
In einer Diskussion im Schriftstellerforum www.dsfo.de wurde einmal durchgekaut, wie sich der Literaturmarkt selbst einrenken könnte, wenn man sich heute nicht einmal mehr auf die Wertungen durch große seiten und Zeitungen verlassen kann - kurz: woher bitte soll der geschätzte Leser und Bücherkäufer wissen, was er kaufen soll, ohne dabei halbblind vor wohliger Werbung, funkelnder Rezensionssterne und geschmeidiger Selbstvermarktung der Autoren herumzutaumeln?
Einen Ansatz boten die Bemühungen der Alisha Bionda, ein weiblicher Hansdampf-in-allen-Gassen der im Web verankerten Literaturszene, spezialisiert auf Sci-Fi, Utopien, Dystopien, Fantasy, udgm. Das Geflecht der Alisha entpuppte sich aber dann doch recht rasch als ein sich selbst sehr gefälliges Autoren/Rezensenten/Verleger Komglomerat, in dem immer wieder die gleichen Autoren, Verleger und Rezensenten einander Rosen streuen und Puderzucker in den Arsch blasen. Ein Literaturbiotop mit Semiindieanspruch. Die Einflussnahme auf Leserwahrnehmung jedenfalls ist äußerst vital gelebt und praktiziert; außerhalb dieser Blase jedoch verdunstet der Einfluss sehr rasch und nachhaltig.
Einen neuen Weg versuchen nun Indie-Autoren zu gehen, und deren Ansatz gefällt mir recht gut:
Wir glauben an gute Bücher. Wir sind fest davon überzeugt, dass viele gute Bücher auf dieser Welt existieren, die nicht zu ihren Lesern finden. Wir wissen, dass Verlage nicht die allein seligmachenden Herstellungsorte für gute Bücher sind. Wir sehen, dass die Zeit gekommen ist, gute Bücher von schlechten zu trennen und sie zu zeichnen, auf dass die Verwirrung der LeserInnen ein Ende finde.
--> weiterlesen
Das taugt mir schon, ehrlich. Ich will ja auch gar nicht zänkisch sein, aber ... Wer kann garantieren, dass sich das hehre Ziel, sprachlich gut verfasste Literatur zu markieren, nicht in naher Zukunft in eine neue Form der geschmäcklerischen Zensur verwandelt? Wenn Mittel und Methoden zur Erkennung sprachlich gelungener Werke eingesetzt werden, um unliebsame Schriftsteller auszuschließen, Themen, die "nicht gemocht" werden, auszuklammern? Wer kontrolliert das Korrektiv, wenn es sich doch selbst eine Art Kontrolle anmaßt? Wer wählt die Autoren aus, die sich zu einem Korrektiv zusammenfinden? Natürlich sind meine Fragen hier miesepetrig. Aber wer kann schon orakeln, dass aus diesem Korrektiv nicht ein weiteres, in sich abgeschlossenes Biotop sich selbst beweihräuchernder Indies wird, deren Bewertungsgrundlage geschmäcklerisch ist und nicht objektiv?
Ich werde mal mit denen Kontakt aufnehmen und ein paar Fragen stellen :-)
http://www.qindie.de
06.05.2013
Eine kleine Polemik gegen Schreibratgeber
Unlängst wieder mal beim Drüberzappen irgendeine dieser erzieherischen Sendungen auf einem der RTL/Pro7/VOX/Kabel 1 Sender gesehen und kopfgeschüttelt. Diese Sendungen verkleiden sich als Infotainment, dienen aber längst nur noch zweierlei: der Erziehung der einfach gestrickten, und nur manchmal aufmüpfigen Bevölkerung und der Befriedigung primitiver Neidgelüste.
Eine Sendung beispielsweise, in der gezeigt wird, wie Reisende, die in Deutschland am Flughafen ankommend, vom Zoll gerupft werden (mit wie absichtlich eingestreuten Fehlinformationen wie zum Beispiel, dass bei der Einreise auch Inhalte von Digitalkameras kontrolliert werden, denn es könnte ja, ach Du meine Güte ... Hier kann sich der, dem jede Reise zu teuer scheint, genüsslich zurücklehnen und stolz denken: Mir kann sowas nicht passieren, dat sind ja lauter Idioten, sind dat.
In anderen Eriehungssendungen wird am Laufenden Band gezeigt, wie Menschen von Angestellten des Kontrollamts betreten werden, und natürlich zuerst laut und selbstbewusst, immer kleiner werden, bis sie samt Hut und Stock unter der Bordsteinkante verschwinden, so klein sind die auf einmal.
Daneben gibt es Ratgebersendungen en masse für jede Lebenslage - Da gibt es die: Wie findet man einen Partner, wie erzieht man Kinder, wie nimmt man ab, wie wird man ein Star, wie wehrt man sich im Urlaub gegen was weiß ich, wie schlichtet man einen Familienstreit, wie wird man jung und schön und begehrenswert, wie kriegt man einen hoch, und wie kriegt man ihn wieder runter, wenn er dauersteht ... das Fernsehen suggeriert, dass wir alle inzwischen zu einem satt brabbelnden Volk von lebensunfähigen Dauerkonsumenten verkommen sind, eine graue Plörre dummgrinsender Erdnusslocken und Bier vertilgenden Idioten, die dankbar sind für jede Lebenshilfe in unserer herzverfettenden Passivität.
Genau den gleichen Scheiß gibts auch in der Schriftstellerei: Es gibt unzählige Bücher zum Thema, wie man Schriftsteller wird, wie man Texte überarbeitet, wie man Gedichte schreibt, wie man einen verdammt guten Roman schreibt, wie man Selbstmarketing betreibt, wie man einen Stil entwickelt, den die Leser mögen, wie man einen Bestseller schreibt - Freunde, dass ist alles Onanie und Schalmei!
Keiner der abgedrehten Wichser, die einen dieser Ratgeber schrieben, hat je selbst ein literarisch bedeutsames Werk verfasst, und diejenigen, die literarisch bedeutsame Werke verfassten und verfassen, haben in ihrem Leben weder je einen Literaturratgeber gelesen, noch einen verfasst. Die Sehnsucht und die verquere Logik zu glauben, man könne gut schreiben, wenn man sich an bestimmte Anweisungen hält, deckt sich mit der obszönen, selbstzufriedenen Brustwarzendreherei der Bürger, die sich die Ratgebersendungen im Fernsehen ansehen, weil sie längst den Schritt vom leben zum Dahinvegetieren vollzogen haben.
Dieser Ratgeberszene liegt eine faule Verschlagenheit zu Grunde, die Erfolg verspricht, wenn man gehorcht.
Die Ratgeber gehören damit eindeutig zum literarischen Bodensatz, der sich als sonnenwarmes Biotop von Indieautoren versteht, eine bei Amazon mit Sternchen und Rezensionen um sich werfende Blase von Tratschtanten, die vor der eigenen Wichtigkeit beinahe in Ehrfurcht erstarren.
Manche Tipps in den Schreibratgebern sind so schlecht auch wieder nicht, aber ungefähr so selbstverständlich wie der Rat des Vaters an seinen Sohn, im Freien nicht gegen den Wind zu pissen, da verliert man immer. Jeder Nutzer und Leser und Konsument von Ratgebern will den bequemen Weg gehen, den widerstandslosen Weg, den anspruchslosen Pfad wählen - dahin schlendern wo andere sich plagen, um am Ende der Schlenderei erfolgreich und berühmt zu sein. Kurz und knackig: wer mehr Schreibratgeber liest als Romane, wird eines Tages auch nicht besser schreiben können als der Schreibratgeber dies tat, als er seine zusammengewichsten Weisheiten aufs Papier spritzte.
Schreiben jenseits der Ratgeberei hat auch sehr viel mit Mut zu tun, und mit Arbeit. Mut, auch mal zu scheitern, sich festzuschreiben, zu verzagen, aber nicht aufzugeben.
Schriftsteller müssen in Nächten, in denen keine Sterne am Himmel sind, nach denen sie sich richten können, wackere Herzen haben, die unverdrossen weiterschlagen - Laufen lernen, in dem man stürzt und aufsteht und weiterläuft.
Etwas, dass in den Schreibratgeberbiotopen irgendwie regelmäßig untergeht und bestenfalls pro forma erwähnt wird.
Eine Sendung beispielsweise, in der gezeigt wird, wie Reisende, die in Deutschland am Flughafen ankommend, vom Zoll gerupft werden (mit wie absichtlich eingestreuten Fehlinformationen wie zum Beispiel, dass bei der Einreise auch Inhalte von Digitalkameras kontrolliert werden, denn es könnte ja, ach Du meine Güte ... Hier kann sich der, dem jede Reise zu teuer scheint, genüsslich zurücklehnen und stolz denken: Mir kann sowas nicht passieren, dat sind ja lauter Idioten, sind dat.
In anderen Eriehungssendungen wird am Laufenden Band gezeigt, wie Menschen von Angestellten des Kontrollamts betreten werden, und natürlich zuerst laut und selbstbewusst, immer kleiner werden, bis sie samt Hut und Stock unter der Bordsteinkante verschwinden, so klein sind die auf einmal.
Daneben gibt es Ratgebersendungen en masse für jede Lebenslage - Da gibt es die: Wie findet man einen Partner, wie erzieht man Kinder, wie nimmt man ab, wie wird man ein Star, wie wehrt man sich im Urlaub gegen was weiß ich, wie schlichtet man einen Familienstreit, wie wird man jung und schön und begehrenswert, wie kriegt man einen hoch, und wie kriegt man ihn wieder runter, wenn er dauersteht ... das Fernsehen suggeriert, dass wir alle inzwischen zu einem satt brabbelnden Volk von lebensunfähigen Dauerkonsumenten verkommen sind, eine graue Plörre dummgrinsender Erdnusslocken und Bier vertilgenden Idioten, die dankbar sind für jede Lebenshilfe in unserer herzverfettenden Passivität.
Genau den gleichen Scheiß gibts auch in der Schriftstellerei: Es gibt unzählige Bücher zum Thema, wie man Schriftsteller wird, wie man Texte überarbeitet, wie man Gedichte schreibt, wie man einen verdammt guten Roman schreibt, wie man Selbstmarketing betreibt, wie man einen Stil entwickelt, den die Leser mögen, wie man einen Bestseller schreibt - Freunde, dass ist alles Onanie und Schalmei!
Keiner der abgedrehten Wichser, die einen dieser Ratgeber schrieben, hat je selbst ein literarisch bedeutsames Werk verfasst, und diejenigen, die literarisch bedeutsame Werke verfassten und verfassen, haben in ihrem Leben weder je einen Literaturratgeber gelesen, noch einen verfasst. Die Sehnsucht und die verquere Logik zu glauben, man könne gut schreiben, wenn man sich an bestimmte Anweisungen hält, deckt sich mit der obszönen, selbstzufriedenen Brustwarzendreherei der Bürger, die sich die Ratgebersendungen im Fernsehen ansehen, weil sie längst den Schritt vom leben zum Dahinvegetieren vollzogen haben.
Dieser Ratgeberszene liegt eine faule Verschlagenheit zu Grunde, die Erfolg verspricht, wenn man gehorcht.
Die Ratgeber gehören damit eindeutig zum literarischen Bodensatz, der sich als sonnenwarmes Biotop von Indieautoren versteht, eine bei Amazon mit Sternchen und Rezensionen um sich werfende Blase von Tratschtanten, die vor der eigenen Wichtigkeit beinahe in Ehrfurcht erstarren.
Manche Tipps in den Schreibratgebern sind so schlecht auch wieder nicht, aber ungefähr so selbstverständlich wie der Rat des Vaters an seinen Sohn, im Freien nicht gegen den Wind zu pissen, da verliert man immer. Jeder Nutzer und Leser und Konsument von Ratgebern will den bequemen Weg gehen, den widerstandslosen Weg, den anspruchslosen Pfad wählen - dahin schlendern wo andere sich plagen, um am Ende der Schlenderei erfolgreich und berühmt zu sein. Kurz und knackig: wer mehr Schreibratgeber liest als Romane, wird eines Tages auch nicht besser schreiben können als der Schreibratgeber dies tat, als er seine zusammengewichsten Weisheiten aufs Papier spritzte.
Schreiben jenseits der Ratgeberei hat auch sehr viel mit Mut zu tun, und mit Arbeit. Mut, auch mal zu scheitern, sich festzuschreiben, zu verzagen, aber nicht aufzugeben.
Schriftsteller müssen in Nächten, in denen keine Sterne am Himmel sind, nach denen sie sich richten können, wackere Herzen haben, die unverdrossen weiterschlagen - Laufen lernen, in dem man stürzt und aufsteht und weiterläuft.
Etwas, dass in den Schreibratgeberbiotopen irgendwie regelmäßig untergeht und bestenfalls pro forma erwähnt wird.
01.05.2013
Enzersfeld - taugt!
Von uns zu Hause ungefähr fünfunddreißig Minuten mit dem Auto liegt Enzersfeld; eine kleine Gemeinde mit Weinkellern und schönen Heurigen im Weinviertel. Wir haben dort unseren Freund Alex besucht, der da mit seinem Freund einen sehr großen Garten gepachtet hat. Der liegt inmitten der Weinberge in fabelhafter Stille, die Leute kennen sich und sind bezaubernd entspannt. Alex und sein Mann Michael haben dort in dem Garten (kein Baugrund, von daher keine Möglichkeit, Wasser und Strom einzuleiten) ein kleines Holzhäuschen, wo man schön bequem draußen sitzen kann. Haben wir auch gemacht, eine Jause zu uns genommen und dann waren wir auf einem zweistündigen Spaziergang über die Weinberge, in Enzersfeld selbst, in einer Kellergasse.
Schön wars. Und die Pacht, die sie zahlen, ist auch leicht leistbar, um 125 Euro ist man da schon vorn dabei. Für einen Schriftsteller ein Paradies, man braucht nur ein Solarladegerät, um das Laptop am Laufen zu halten. Angeblich ist ein Nachbarsgrund ungenutzt. Darüber könnte man ja mal nachdenken. Richard hat mit Alex vereinbart, sich bei den aktuellen Pächtern zu erkundigen, ob sie daran interessiert wären, die Pacht abzugeben. Wäre vielleicht wirklich schön, im Sommer übers Wochenende einen Ort zu haben, an dem man sich zurückziehen kann ... Richard hätte jemand, mit dem er plaudern kann und mit denen er von Heurigen zu Heurigen zieht, und ich hätte die umfassende Stille einer sanften Landschaft, in der ich in die Tasten hauen könnte.
Schön wars. Und die Pacht, die sie zahlen, ist auch leicht leistbar, um 125 Euro ist man da schon vorn dabei. Für einen Schriftsteller ein Paradies, man braucht nur ein Solarladegerät, um das Laptop am Laufen zu halten. Angeblich ist ein Nachbarsgrund ungenutzt. Darüber könnte man ja mal nachdenken. Richard hat mit Alex vereinbart, sich bei den aktuellen Pächtern zu erkundigen, ob sie daran interessiert wären, die Pacht abzugeben. Wäre vielleicht wirklich schön, im Sommer übers Wochenende einen Ort zu haben, an dem man sich zurückziehen kann ... Richard hätte jemand, mit dem er plaudern kann und mit denen er von Heurigen zu Heurigen zieht, und ich hätte die umfassende Stille einer sanften Landschaft, in der ich in die Tasten hauen könnte.
28.04.2013
Der stille Planet - ein neuer Versuch?
Weltuntergangsgeschichten haben so etwas heimeliges: jeder Schriftsteller hat zumindest eine im petto, und selbst, wenn er sie noch nicht geschrieben hat, so hat er doch zumindest eine Vorstellung davon, wie er den Untergang der Welt literarisch umsetzen würde.
Es ist ein Gedankenspiel, zu dem man immer wieder zurückkehrt wie zu einem guten Freund, zumindest mir geht es so. Als ich mit der Schreiberei anfing, war meine Vorstellung vom Ende der Welt, vom finalen Knall der Zivilisation stets laut, gewalttätig, kriegerisch. Dass es durchaus auch leise geht, lernte ich erst durch Filme wie Quiet Earth oder Romane wie Ich, der letzte Mensch wobei das Ende selbst gar nicht so leise war, als vielmehr der Zugang des Schriftstellers zum Ende. Sehr gut gefallen hat mir auch stets der Roman: Das letzte Ufer von Nevil Shute; hier erzählt der Autor sehr trocken, mit einer auf das Notwendigste reduzierten Sprache, wie nach einem Atomkrieg die radioaktive Strahlung bis nach Süden vordringt, nach Australien, wo kein Krieg war, und die Menschen dort dahinrafft. Der Roman befasst sich mit dem Zeitraum zwischen der Erkenntnis, dass es kein Entkommen gibt, und dem "Eintreffen" der Strahlung, und wie die Menschen, anhand deren Schicksal der Roman das Szenario ausrollt, mit dem unabwendbaren Tod umgehen. Der Roman ist aus den Fünfzigern und spiegel die kollektive Angst der Menschen vor einem unsichtbaren, grausamen und unerbittlichen Feind.
Ich habe vor ein paar Jahren eine Kurzgeschichte in Form von Briefen verfasst, in der ein Familienvater vom Ende der Welt erzählt, und wie er mit seiner Familie versucht, in den Bergen Colorados zu überleben, weil das Einzige, was die außerirdischen Invasoren abschreckt, große Kälte ist. Die Geschichte erschien in der Kurzgeschichtensammlung Wo die verlorenen Worte sind.
Jajaja, ich gebe es zu, ich gehöre zu der Sorte Schriftsteller, die das Ende der Welt durchaus in die Hände von Außerirdischen legen. Mit einem Unterschied: In meiner ziemlich langen Kurzgeschichte stellt sich heraus, dass der Untergang der Menschheit kein Ziel der Außerirdischen war bzw ist, sondern ein Nebeneffekt, der in Kauf genommen wurde. Meine Idee ist es, den Untergang der Menschheit zu etwas bedeutungslosen zu machen. Es gibt keinen krieg zwischen Außerirdischen und Menschen, keine Schlacht, keine Eroberung. Es ist eine Besiedlung, die uns einfach den Platz zum leben kostet. So, wie ein Bauherr Zement in eine Baugrube schüttet, um das Fundament zu bauen, und keinen Gedanken daran verschwendet, dass da vielleicht - huch - Millionen von Ameisen, Regenwürmern und Käfer dabei sterben. Die Idee gefiel mir so gut, dass ich kurz darauf begann, einen Roman zu schreiben, in dem ich die Geschichte dieser Familie zu einem Epos machen wollte. Nach etwa dreihundert Seiten knickte ich ein, weil sich der Roman in eine Richtung entwickelte, die ich so nicht geplant hatte - was sonst kein Problem ist, weil ich da recht flexibel bin - und schob das Manuskript ins Archiv.
Als Richard und ich im Oktober letzten Jahres in den Tiroler Bergen waren, eröffnete sich mir eine neue Möglichkeit, das Thema anzugehen, aber ich hatte alle Hände voll mit der Arbeit an Fluchtgemälde. Die Idee war, dass es ein paar tausend Menschen geschafft hatten, den Untergang zu überleben, in dem sie sich in einem mehrere Kilometer langen Tunnel verbarrikadierten wo sie vor den Auswirkungen der Besiedlung sicher waren. Ich dachte, ich könnte eine recht interessante Geschichte über eine Gesellschaft schreiben, die in diesem Tunnel vollkommen pervertiert, und in dem der sexueller Missbrauch von Kindern, Sadismus und Kannibalismus Teil des sozialen Gefüges wurden. Eines Tages schaffen es vier von ihnen (Ich hab noch nicht darüber nachgedacht, ob es Männer oder Frauen oder zwei Männer und zwei Frauen ... ) schaffen, den Tunnel zu verlassen und eine vollkommen veränderte Welt vorfinden, in der die Menschheit durchaus geschafft hat, zu überleben, allerdings nicht mehr als dominierende Spezies dieser Welt, ohne elektrischen Strom, zurückgezogen in keine Gemeinden in den Bergen.
Die Idee war gut, sie ist gut, aber ich hatte die Befürchtung, dass ich mich zusehr mit dem Auswalzen des Sozialgefüges aufhalten würde, mit Krankheit, Niedertracht und makaberen, sexuellen Riten. Ich hatte eine Szene von etwa dreißig Seiten geschrieben, und ließ es bleiben. Und dann, vor ein paar tagen, hatte ich es.
Ich werde die Geschichte von der anderen Seite her aufknüpfen: Vierzig Jahre nach der Neubesiedlung lebt ein Mann mit drei Jugendlichen, zwei Jungen und ein stummes Mädchen, in einer Berghütte. Sie leben von der Jagd. Es gibt keinen Strom, und nur der Mann hat Erinnerungen an die Welt, wie sie vorher war. Ich werde nicht von Anfang an klar machen, warum sie zurückgezogen in den Bergen leben, es wird nach und nach deutlich. Und eines tage stehen sie, als sie Medikamente aus einem tiefer liegenden Dorf holen, vor ein paar abgerissenen, blassen, krank aussehenden Menschen, die einer Hölle entkommen waren, die viel schlimmer ist, als die Welt, wie sie nach der Besiedelung durch die Außerirdischen ist. Der Mann und die bei ihm lebenden Jugendlichen beschließen, die Menschen aus dieser selbst geschaffenen Hölle zu befreien und sie zurück ins Tageslicht zu führen. Ob das gut ausgehen kann oder nicht, werde ich sehen, wenn ich so weit bin.
Es ist ein Gedankenspiel, zu dem man immer wieder zurückkehrt wie zu einem guten Freund, zumindest mir geht es so. Als ich mit der Schreiberei anfing, war meine Vorstellung vom Ende der Welt, vom finalen Knall der Zivilisation stets laut, gewalttätig, kriegerisch. Dass es durchaus auch leise geht, lernte ich erst durch Filme wie Quiet Earth oder Romane wie Ich, der letzte Mensch wobei das Ende selbst gar nicht so leise war, als vielmehr der Zugang des Schriftstellers zum Ende. Sehr gut gefallen hat mir auch stets der Roman: Das letzte Ufer von Nevil Shute; hier erzählt der Autor sehr trocken, mit einer auf das Notwendigste reduzierten Sprache, wie nach einem Atomkrieg die radioaktive Strahlung bis nach Süden vordringt, nach Australien, wo kein Krieg war, und die Menschen dort dahinrafft. Der Roman befasst sich mit dem Zeitraum zwischen der Erkenntnis, dass es kein Entkommen gibt, und dem "Eintreffen" der Strahlung, und wie die Menschen, anhand deren Schicksal der Roman das Szenario ausrollt, mit dem unabwendbaren Tod umgehen. Der Roman ist aus den Fünfzigern und spiegel die kollektive Angst der Menschen vor einem unsichtbaren, grausamen und unerbittlichen Feind.
Ich habe vor ein paar Jahren eine Kurzgeschichte in Form von Briefen verfasst, in der ein Familienvater vom Ende der Welt erzählt, und wie er mit seiner Familie versucht, in den Bergen Colorados zu überleben, weil das Einzige, was die außerirdischen Invasoren abschreckt, große Kälte ist. Die Geschichte erschien in der Kurzgeschichtensammlung Wo die verlorenen Worte sind.
Jajaja, ich gebe es zu, ich gehöre zu der Sorte Schriftsteller, die das Ende der Welt durchaus in die Hände von Außerirdischen legen. Mit einem Unterschied: In meiner ziemlich langen Kurzgeschichte stellt sich heraus, dass der Untergang der Menschheit kein Ziel der Außerirdischen war bzw ist, sondern ein Nebeneffekt, der in Kauf genommen wurde. Meine Idee ist es, den Untergang der Menschheit zu etwas bedeutungslosen zu machen. Es gibt keinen krieg zwischen Außerirdischen und Menschen, keine Schlacht, keine Eroberung. Es ist eine Besiedlung, die uns einfach den Platz zum leben kostet. So, wie ein Bauherr Zement in eine Baugrube schüttet, um das Fundament zu bauen, und keinen Gedanken daran verschwendet, dass da vielleicht - huch - Millionen von Ameisen, Regenwürmern und Käfer dabei sterben. Die Idee gefiel mir so gut, dass ich kurz darauf begann, einen Roman zu schreiben, in dem ich die Geschichte dieser Familie zu einem Epos machen wollte. Nach etwa dreihundert Seiten knickte ich ein, weil sich der Roman in eine Richtung entwickelte, die ich so nicht geplant hatte - was sonst kein Problem ist, weil ich da recht flexibel bin - und schob das Manuskript ins Archiv.
Als Richard und ich im Oktober letzten Jahres in den Tiroler Bergen waren, eröffnete sich mir eine neue Möglichkeit, das Thema anzugehen, aber ich hatte alle Hände voll mit der Arbeit an Fluchtgemälde. Die Idee war, dass es ein paar tausend Menschen geschafft hatten, den Untergang zu überleben, in dem sie sich in einem mehrere Kilometer langen Tunnel verbarrikadierten wo sie vor den Auswirkungen der Besiedlung sicher waren. Ich dachte, ich könnte eine recht interessante Geschichte über eine Gesellschaft schreiben, die in diesem Tunnel vollkommen pervertiert, und in dem der sexueller Missbrauch von Kindern, Sadismus und Kannibalismus Teil des sozialen Gefüges wurden. Eines Tages schaffen es vier von ihnen (Ich hab noch nicht darüber nachgedacht, ob es Männer oder Frauen oder zwei Männer und zwei Frauen ... ) schaffen, den Tunnel zu verlassen und eine vollkommen veränderte Welt vorfinden, in der die Menschheit durchaus geschafft hat, zu überleben, allerdings nicht mehr als dominierende Spezies dieser Welt, ohne elektrischen Strom, zurückgezogen in keine Gemeinden in den Bergen.
Die Idee war gut, sie ist gut, aber ich hatte die Befürchtung, dass ich mich zusehr mit dem Auswalzen des Sozialgefüges aufhalten würde, mit Krankheit, Niedertracht und makaberen, sexuellen Riten. Ich hatte eine Szene von etwa dreißig Seiten geschrieben, und ließ es bleiben. Und dann, vor ein paar tagen, hatte ich es.
Ich werde die Geschichte von der anderen Seite her aufknüpfen: Vierzig Jahre nach der Neubesiedlung lebt ein Mann mit drei Jugendlichen, zwei Jungen und ein stummes Mädchen, in einer Berghütte. Sie leben von der Jagd. Es gibt keinen Strom, und nur der Mann hat Erinnerungen an die Welt, wie sie vorher war. Ich werde nicht von Anfang an klar machen, warum sie zurückgezogen in den Bergen leben, es wird nach und nach deutlich. Und eines tage stehen sie, als sie Medikamente aus einem tiefer liegenden Dorf holen, vor ein paar abgerissenen, blassen, krank aussehenden Menschen, die einer Hölle entkommen waren, die viel schlimmer ist, als die Welt, wie sie nach der Besiedelung durch die Außerirdischen ist. Der Mann und die bei ihm lebenden Jugendlichen beschließen, die Menschen aus dieser selbst geschaffenen Hölle zu befreien und sie zurück ins Tageslicht zu führen. Ob das gut ausgehen kann oder nicht, werde ich sehen, wenn ich so weit bin.
17.04.2013
Der Traum des goldenen Riesen
Wieder einmal das Wort ENDE unter die letzte Zeile eines Romanprojekts geschrieben, 560 Seiten diesmal, und wieder einmal ist die Stille nach dem letzten Wirt beinahe ohrenbetäubend.
Es ist diesmal erträglicher, weil der Roman nicht nur ein "merkwürdiges" Happy-End hat, sondern weil er tatsächlich die Option bietet, dass ich zurückkehren, und weitererzählen kann. ich habe auf den letzten siebzig Seiten genug verweise eingebaut, die bei näherer Betrachtung eine Fortsetzung geradezu herausfordern.
Dazu gehört nicht nur die zentrale Symbolik des Goldenen Riesen, der als magische Version der Matrix dient, der galaktische Träumer, gemalt von Christiano Ufiro, sondern auch Alejos Worte an Koroush, dass in einer gemalten Welt nie irgendjemand wirklich stirbt, sondern einfach weiter zieht.
Dazu kommt noch der Gedanke von Koroush, dass die Welt, die durch den Einfluss des Buches von Alejo verheert wurde, selbst auch nur ein (misslungenes) Fluchtgemälde war.
Genug Stoff, um weiterzuerzählen jedenfalls. Aber jetzt mache ich zuerst mal eine zeitlang Pause. Das Überarbeiten dieses Romans wird mich einiges an Zeit kosten - und ich schätze, dass ich das angehen werde, wenn wir Anfang Juli aus Kuba zurück sind.
02.04.2013
Eine kleine Polemik gegen das Sternchenverteilen
Ich habe vor Kurzem (also eigentlich vor ein paar Monaten) Peter Straubs letzten Roman OKKULT gelesen. Es ist bei Weitem nicht sein bester Roman, aber ich mag ihn. Genauer: Ich mag einige Ideen und die Umsetzung dieser Ideen. Vor allem mag ich die literarische Genauigkeit, mit der Straub schreibt. Er bekam für diesen Roman durchwegs schlechte Rezensionen auf Amazon, und ich glaube, dass er auch sonst nur wenig gute Kritiken für das Werk bekam. Bei Amazon gab es vor allem von jenen wenige Sterne, die den Roman einfach nicht verstanden, oder deren Leseerwartungen nicht erfüllt wurden.
Die Anzahl von Rezensionen, die Straub generell auf Amazon hat, ist überschaubar. Stephen King hat mehr, eh klar. Generell fiel mir aber auf, dass es weit weniger Rezensionen zu literarisch interessanten Büchern gibt, als zu emotionell leicht zugänglichen Werken. Es gibt E-Book Selfpublisher, deren unlektorierte, völlig talentbefreite Zeilenschinderei zweihundert oder sogar über dreihundert meist Fünfsternerezensionen bekommen. Die meist maximal zweizeiligen Rezensionen lesen sich seltsam vertraut und ich habe ein Flashback nach dem anderen: Die Formulierungen der Rezensionen gleichen sich nicht nur in Bezug zu einem bestimmten Werk, sondern ziehen ihre Spur quer durch 90 % aller E-Book Selfpublishing Werke: Der/die Autor(in) brachte mich zu weinen und zum lachen. Ich habe förmlich mitgelitten und wurde richtig in die Geschichte Hineingezogen! Fünf Sterne, sechs Rufzeichen!!!!!! Ich höre triefende Geigen und sehe schluchzende Mädchen mit verschmierter Wimperntusche, die im Schlafzimmer der Eltern mit der Federboa, Hut und Stöckelschuhen von Mama posieren.
Ich sehe tote Leser.
Vielleicht gibt es irgendwo einen Rezensionsfabrikant, bei dem man Rezensionen kaufen kann wie woanders Visitenkarten? Heute im Sonderangebot: Kauf dreihundert, zahlt zweihundert Fünfsternerezensionen!!! Plus variabler Rufzeichensetzung! Plus Rechtschreibfehler für die Glaubwürdigkeit!
Leserrezensionen auf Amazon sind eigentlich nur noch Datenmüll, herbeigezerrte, generische Satzbausteine. Weder die Zahl der Sterne, noch die Menge der Rezensionen, noch die Inhalte der Rezensionen vermitteln irgendetwas über die Qualität des Buches. Das ist alles nur noch durch und durch falsch, Marketinggeschrei, verlogen, hintertrieben, Schalmei und Schein.
Ich gehe immer mehr dazu über, mich durch die Buchempfehlungen und Reading-Lists meiner Lieblingsautoren zu arbeiten. Dieser Herangehensweise, sich interessante Bücher zu besorgen, liegt ein einfacher Gedanke zu Grunde: Ein Schriftsteller, den ich mag, nehme ich Buchempfehlungen lieber ab, als das Geblubber aus dem Biotop der sich selbst hochjubelnden, Sternchen zuweisenden Microverlagsautoren auf Amazon und Facebook, Google+ und weiß der Himmel wo noch.
Ich glaube, dass man heute als Leser und Schriftsteller um Amazonrezensionen ein weiten Bogen machen muss - man könnte ja in den Ruf kommen ...
Die Anzahl von Rezensionen, die Straub generell auf Amazon hat, ist überschaubar. Stephen King hat mehr, eh klar. Generell fiel mir aber auf, dass es weit weniger Rezensionen zu literarisch interessanten Büchern gibt, als zu emotionell leicht zugänglichen Werken. Es gibt E-Book Selfpublisher, deren unlektorierte, völlig talentbefreite Zeilenschinderei zweihundert oder sogar über dreihundert meist Fünfsternerezensionen bekommen. Die meist maximal zweizeiligen Rezensionen lesen sich seltsam vertraut und ich habe ein Flashback nach dem anderen: Die Formulierungen der Rezensionen gleichen sich nicht nur in Bezug zu einem bestimmten Werk, sondern ziehen ihre Spur quer durch 90 % aller E-Book Selfpublishing Werke: Der/die Autor(in) brachte mich zu weinen und zum lachen. Ich habe förmlich mitgelitten und wurde richtig in die Geschichte Hineingezogen! Fünf Sterne, sechs Rufzeichen!!!!!! Ich höre triefende Geigen und sehe schluchzende Mädchen mit verschmierter Wimperntusche, die im Schlafzimmer der Eltern mit der Federboa, Hut und Stöckelschuhen von Mama posieren.
Ich sehe tote Leser.
Vielleicht gibt es irgendwo einen Rezensionsfabrikant, bei dem man Rezensionen kaufen kann wie woanders Visitenkarten? Heute im Sonderangebot: Kauf dreihundert, zahlt zweihundert Fünfsternerezensionen!!! Plus variabler Rufzeichensetzung! Plus Rechtschreibfehler für die Glaubwürdigkeit!
Leserrezensionen auf Amazon sind eigentlich nur noch Datenmüll, herbeigezerrte, generische Satzbausteine. Weder die Zahl der Sterne, noch die Menge der Rezensionen, noch die Inhalte der Rezensionen vermitteln irgendetwas über die Qualität des Buches. Das ist alles nur noch durch und durch falsch, Marketinggeschrei, verlogen, hintertrieben, Schalmei und Schein.
Ich gehe immer mehr dazu über, mich durch die Buchempfehlungen und Reading-Lists meiner Lieblingsautoren zu arbeiten. Dieser Herangehensweise, sich interessante Bücher zu besorgen, liegt ein einfacher Gedanke zu Grunde: Ein Schriftsteller, den ich mag, nehme ich Buchempfehlungen lieber ab, als das Geblubber aus dem Biotop der sich selbst hochjubelnden, Sternchen zuweisenden Microverlagsautoren auf Amazon und Facebook, Google+ und weiß der Himmel wo noch.
Ich glaube, dass man heute als Leser und Schriftsteller um Amazonrezensionen ein weiten Bogen machen muss - man könnte ja in den Ruf kommen ...
31.03.2013
Eine kleine Polemik gegen Yoani Sanchez
Gleich vorweg: ich mag sie nicht, weil ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass sie die Mittel der Sprache und der Kommunikation nicht einsetzt, um die Wahrheit zu suchen und zu beschreiben, sondern rein, um sich selbst darzustellen. Ich unterstelle ihr, hemmungslos eitel zu sein und ihre Texte auf die Bedürfnisse eines Publikums auszurichten.
Wie komme ich überhaupt dazu, mich mit den Texten der Yoani Sanchez zu befassen? Sie sind weder journalistisch noch literarisch gut verfasst, sie sind nicht investigativ oder erhellend. Und trotzdem verklärt man sie zu einer der wichtigsten Bloggerinnen der Welt.
Man könnte jetzt meine kleine, nun folgende Polemik vom Tisch wischen, in dem man mir Neid unterstellt, weil der kleine, unbedeutende, grauhaarige, schwule Nathschläger nicht so viele Leser hat wie die Yoani. Schmarren. Würde das auf mich zutreffen, würde die ganze Polemik den Bach runtergehen, weil ich dann den gleichen Werten huldigen würde wie sie.
Ich habe im Sommer 2010 das Buch von Yoani Sanchez gekauft: Cuba Libre. Das Buch beinhaltet ausgewählte Texte von ihrem Blog. Einiges davon liest sich wirklich ganz interessant, und ihre besten Momente hatte Yoani, wenn sie sich einfach darauf beschränkte, zu beobachten und zu berichten, ohne zu werten. Ihr Blog wird weiter mit Text befüllt und von vielen Freiwilligen weltweit in viele Sprachen übersetzt, auch in deutsch. Das finde ich ganz gut so. Ich finde es gut, dass sie eine Stimme hat und sie erhebt, aber ich finde nicht gut, dass sie, als sie einmal registrierte, was gut ankommt, nur noch dass schrieb, was gefiel. Gerade in ihrer Anfangszeit, als sie ihre Texte auf einem USB-Stick speicherte und dann im Habana Libre oder im Hotel Nacional auf ihr Blog hoch lud, war sie durchaus interessant.
Das änderte sich, wie gesagt, als sie Kommentare bekam und daraus ablesen konnte, was der Leser lesen will. Im Grunde genommen geht es um eine reine Rabulistik gegen Kuba. Nicht allein gegen die Regierung oder die Hauptakteure der Regierung, sondern gegen Kuba als Ganzes. Yoani negiert die lebendige Kunstszene, die Literaturszene, die soziale (nicht sozialistische) Lebensfreude der Kubaner. Es kann sein, dass aus ihrer Perspektive alles trostlos ist, reine Apathie und Niedergeschlagenheit, aber das ist der "literarische" Filter, den sie ihren Beobachtungen vorschiebt.
Leonardo Padura antwortete einmal auf die Frage, wie das Leben in Kuba sei, sinngemäß: "Den Rechten will ich sagen, dass es nicht so schlimm ist, wie man versucht, es darzustellen. Es gibt viel Armut und viel zu tun. Den Salonlinken, die Kuba verklären, will ich sagen: Lebt einmal drei Monate hier, in den heruntergekommenen Häusern wie die Einheimischen, geht dort einkaufen, wo sie einkaufen gehen und nehmt den gleichen, unklimatisierten Bus, und verdient, was sie verdienen. Und dann überdenkt Euer Urteil!"
Kuba ist arm, die Kubaner sind noch ärmer, aber sie sind keineswegs die freudlosen, apathischen, dahinvegetierenden Schatten von Menschen, als die sie Yoani Sanchez darstellen will. Möglicherweise beschreibt sie sich selbst, vielleicht dichtet sie einfach allen ihren Landsleuten den gleichen unstillbaren Hunger nach Aufmerksamkeit an, den sie sieht, wenn sie in den Spiegel blickt.
Ich mag Yoani Sanchez nicht, weil sie für ihre Eitelkeit, für den Applaus von Menschen, die Kuba nur aus den Nachrichten kennen, und nie in die Verlegenheit kommen, das Land je zu besuchen, eine ganze Gesellschaft in Geißelhaft nimmt und sie als Bühne nutzt, um im Scheinwerferlicht den Tanz der Käuflichkeit zu tanzen.
In ihren Texten ist kein Platz für eine lange und unerschrocken beobachtete Wahrheit sondern nur für sie selbst. Und dafür ist mir das Kuba, das ich kenne, viel zu schade. Dafür sind mir die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, viel zu schade. Die Schriftsteller, Maler, Kritiker, die aufrichtigen Dissidenten.
Nur Yoani Sanchez zu sein, ist einfach zu wenig, wenn man sich den Anschein geben will, die Wahrheit zu berichten.
Wie komme ich überhaupt dazu, mich mit den Texten der Yoani Sanchez zu befassen? Sie sind weder journalistisch noch literarisch gut verfasst, sie sind nicht investigativ oder erhellend. Und trotzdem verklärt man sie zu einer der wichtigsten Bloggerinnen der Welt.
Man könnte jetzt meine kleine, nun folgende Polemik vom Tisch wischen, in dem man mir Neid unterstellt, weil der kleine, unbedeutende, grauhaarige, schwule Nathschläger nicht so viele Leser hat wie die Yoani. Schmarren. Würde das auf mich zutreffen, würde die ganze Polemik den Bach runtergehen, weil ich dann den gleichen Werten huldigen würde wie sie.
Ich habe im Sommer 2010 das Buch von Yoani Sanchez gekauft: Cuba Libre. Das Buch beinhaltet ausgewählte Texte von ihrem Blog. Einiges davon liest sich wirklich ganz interessant, und ihre besten Momente hatte Yoani, wenn sie sich einfach darauf beschränkte, zu beobachten und zu berichten, ohne zu werten. Ihr Blog wird weiter mit Text befüllt und von vielen Freiwilligen weltweit in viele Sprachen übersetzt, auch in deutsch. Das finde ich ganz gut so. Ich finde es gut, dass sie eine Stimme hat und sie erhebt, aber ich finde nicht gut, dass sie, als sie einmal registrierte, was gut ankommt, nur noch dass schrieb, was gefiel. Gerade in ihrer Anfangszeit, als sie ihre Texte auf einem USB-Stick speicherte und dann im Habana Libre oder im Hotel Nacional auf ihr Blog hoch lud, war sie durchaus interessant.
Das änderte sich, wie gesagt, als sie Kommentare bekam und daraus ablesen konnte, was der Leser lesen will. Im Grunde genommen geht es um eine reine Rabulistik gegen Kuba. Nicht allein gegen die Regierung oder die Hauptakteure der Regierung, sondern gegen Kuba als Ganzes. Yoani negiert die lebendige Kunstszene, die Literaturszene, die soziale (nicht sozialistische) Lebensfreude der Kubaner. Es kann sein, dass aus ihrer Perspektive alles trostlos ist, reine Apathie und Niedergeschlagenheit, aber das ist der "literarische" Filter, den sie ihren Beobachtungen vorschiebt.
Leonardo Padura antwortete einmal auf die Frage, wie das Leben in Kuba sei, sinngemäß: "Den Rechten will ich sagen, dass es nicht so schlimm ist, wie man versucht, es darzustellen. Es gibt viel Armut und viel zu tun. Den Salonlinken, die Kuba verklären, will ich sagen: Lebt einmal drei Monate hier, in den heruntergekommenen Häusern wie die Einheimischen, geht dort einkaufen, wo sie einkaufen gehen und nehmt den gleichen, unklimatisierten Bus, und verdient, was sie verdienen. Und dann überdenkt Euer Urteil!"
Kuba ist arm, die Kubaner sind noch ärmer, aber sie sind keineswegs die freudlosen, apathischen, dahinvegetierenden Schatten von Menschen, als die sie Yoani Sanchez darstellen will. Möglicherweise beschreibt sie sich selbst, vielleicht dichtet sie einfach allen ihren Landsleuten den gleichen unstillbaren Hunger nach Aufmerksamkeit an, den sie sieht, wenn sie in den Spiegel blickt.
Ich mag Yoani Sanchez nicht, weil sie für ihre Eitelkeit, für den Applaus von Menschen, die Kuba nur aus den Nachrichten kennen, und nie in die Verlegenheit kommen, das Land je zu besuchen, eine ganze Gesellschaft in Geißelhaft nimmt und sie als Bühne nutzt, um im Scheinwerferlicht den Tanz der Käuflichkeit zu tanzen.
In ihren Texten ist kein Platz für eine lange und unerschrocken beobachtete Wahrheit sondern nur für sie selbst. Und dafür ist mir das Kuba, das ich kenne, viel zu schade. Dafür sind mir die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, viel zu schade. Die Schriftsteller, Maler, Kritiker, die aufrichtigen Dissidenten.
Nur Yoani Sanchez zu sein, ist einfach zu wenig, wenn man sich den Anschein geben will, die Wahrheit zu berichten.
29.03.2013
Auf & Davon
Ein Problem war, das Flugzeug in die Luft zu bekommen. Dank meines lieben Kollegen und Freundes Philip habe ich das auch geschafft, und wenn ich seinen Worten glauben darf, habe ich die Szene mit den Vorbereitungen und dem Start recht glaubwürdig beschrieben, also kein "Hollywoodscheißdreck!", wie er das nannte.
Das zweite Problem ist, dass Rafael, dem Koroush in Paris das Leben rettete und der jetzt das Flugzeug steuert, für den Rest der Handlung keine Funktion mehr hat. Ich könnte ihn mit durchschleppen, tendiere aber dazu, ihn sterben zu lassen. Ich habe schon damit begonnen, ihn ein wenig unsympathisch zu schreiben. War er zuerst noch der nette Student aus Israel, ein sexy Typ mit schwarzen Locken, entpuppt er sich im Lauf der letzten fünfzehn Seiten immer mehr als unreifer, besitzergreifender und fordernder Liebhaber, der Koroush soweit bringt, ihn nicht mehr zu mögen - und das ist bei Koroush nicht leicht möglich. Das "Nicht mögen" heißt nicht, dass er ihn ablehnt, sondern dass er sich durch Rafael beengt und überfordert fühlt.
Mir ist inzwischen auch eingefallen, wie ich das im Zuge der Handlung sehr glaubwürdig umsetzen kann.
Das wird zwar wieder einmal ein schmerzhafter Schnitt im Manuskript, aber ich glaube, es ist wirklich am besten so. Jedenfalls wird das eine sehr temporeiche, dramatische Szene, wenn Rafael stirbt.
18.03.2013
Wie stiehlt man einen Airbus A-340?
Ich manövriere mich immer wieder in so blödes Situationen, aus denen ich mich dann nicht mehr rausschreiben kann, ohne das gesamte Konzept eines Romanprojekts umzustoßen. Jetzt hab ich also einen iranisch-französischen Antiquar, der sein Brot damit verdient, dass er seltene Bücher auftreibt und verkauft, und einen israelischen Studenten, der sein Leben diesem Antiquar zu verdanken hat. Aus ihrer aktuellen Lage scheint es nur einen Ausweg zu geben: sie müssen aus Frankreich nach Kuba fliehen. Warum? Die Risiken und Nebenwirkungen der Fluchtmalerei haben Europa in ein ebenso gewalttätiges wie freudloses Reich verwandelt, in dem das Leben aus Angst erstarrt ist, ausgelöscht zu werden. Der Flugverkehr, der öffentliche Verkehr wurde eingestellt, das Leben findet versteckt und im Stillen statt.
Der Antiquar glaubt, dass es auf einigen wenigen Inseln im Atlantik so wie im Pazifik noch möglich sein müsste, ein relativ normales Leben zu führen. Er möchte aber auch aus einem anderen Grund nach Kuba: er möchte dort Rufio wieder treffen, der ihm zu beginn des Romans geholfen hat, die kubanische Urversion von Alejos Notizbuch ins französische zu übersetzen. Er erhofft sich von Rufio weitere Hinweise, vielleicht eine neue Übersetzung. Damit ergeben sich für das ungleiche Freundespaar Koroush und Rafael (endlich mal ein Roman, in dem ich eine Alt-Jung Freundschaft beschreibe) drei Probleme:
Der Antiquar glaubt, dass es auf einigen wenigen Inseln im Atlantik so wie im Pazifik noch möglich sein müsste, ein relativ normales Leben zu führen. Er möchte aber auch aus einem anderen Grund nach Kuba: er möchte dort Rufio wieder treffen, der ihm zu beginn des Romans geholfen hat, die kubanische Urversion von Alejos Notizbuch ins französische zu übersetzen. Er erhofft sich von Rufio weitere Hinweise, vielleicht eine neue Übersetzung. Damit ergeben sich für das ungleiche Freundespaar Koroush und Rafael (endlich mal ein Roman, in dem ich eine Alt-Jung Freundschaft beschreibe) drei Probleme:
- Kuba macht die Grenzen dicht. Einreisen darf nur noch, wer den kubanischen Pass hat oder eine schriftliche Einladung eines Kubaners. Alle Touristen werden des Landes verwiesen.
- Wie kommt man nach Kuba? Rafael behauptet, dass er aufgrund seiner tausenden Stunden im Flugsimulator in der Lage dazu sei, ein Passagierflugzeug zu starten, auf Kurs zu bringen und zu landen, schönes Wetter und volle Betankung vorausgesetzt
- Wie stiehlt man ein Flugzeug, das groß genug ist, die Strecke zurückzulegen?
Und selbst wenn ich ein halbwegs glaubwürdiges Szenario zurechtschneidern könnte, wie die beiden Protagonisten auf den geschlossenen Flughafen CDG kommen, wie und wo finden sie das Flugzeug, das sie brauchen, und wie zum Geier nehmen sie es in Betrieb? Braucht man da einen Schlüssel? Eine Magnetkarte, oder braucht man nur blöd auf "Start" drücken?
Wer kann helfen?
12.03.2013
05.03.2013
Zwischenstand
Wie es mir so geht: Eh gut. Passt alles. Ich schreibe noch immer am Roman Fluchtgemälde und bin mit dem dritten Teil zu 60 % fertig. Das Manuskript ist inzwischen auf 410 Seiten angewachsen und wird in der Rohversion vermutlich um die 450 Seiten haben. Der Antiquar Koroush, der das Notizbuch von Alejandro kaufte und übersetzte, und damit eine mittlere Katastrophe im Iran auslöste, ist gerade auf dem Weg von Gran Canaria nach Paris. Die weltweiten Unruhen haben auch die Stadt an der Seine erfasst, und Koroush kehrt nur zurück, weil er das Gefühl hat, dass er sich um den jungen Israeli Rafael kümmern muss. Rafael hat inzwischen in einem stillgelegten Theater Zuflucht gefunden, betäubt sich mit Alkohol und Drogen und schreibt seine Briefe aus dem Teufelsloch an Koroush.
Ich habe auf den folgenden rund fünfzig Seiten noch einige Twists vor, ein paar qualitative Wechsel, die ich gerne Magenausheber nenne. Das Rohmanuskript wird - bei meinem madigen Tempo - fertig sein, bevor wir nach Kuba fliegen, also Mitte Juni.
Das war die Überleitung zum privaten: Uns gehts gut, wir sind guter Dinge. Der Frühling schiebt den Wintervorhang zur Seite, tagsüber wirds schon wärmer und ich arbeite gerade dran, den nächsten Kubaurlaub zusammenzustellen. Sieht so aus, als ob wir wieder das Angebot wahrnehmen werden, mit Airberlin über Düsseldorf nach Varadero zu fliegen. Dort nehmen wir ein billiges All-Inklusive-Hotel, das wir nur als Sprungbrett benutzen. Also für die erste Nacht nach Anreise und für die vier oder fünf Nächte vor der Abreise. Dazwischen stromern wir durch Havanna, trinken Rum, rauchen Zigarren, hören Son & Salsa, flirten und halten das Gesicht in die Sonne ...
Aber bis dahin vergehen ein paar Tage und diese Tage, in denen das Wetter immer besser und besser wird, gehören ebenso zur Vorfreude wie das Wissen, dass wir bald wieder dort sind.
Ich habe auf den folgenden rund fünfzig Seiten noch einige Twists vor, ein paar qualitative Wechsel, die ich gerne Magenausheber nenne. Das Rohmanuskript wird - bei meinem madigen Tempo - fertig sein, bevor wir nach Kuba fliegen, also Mitte Juni.
Das war die Überleitung zum privaten: Uns gehts gut, wir sind guter Dinge. Der Frühling schiebt den Wintervorhang zur Seite, tagsüber wirds schon wärmer und ich arbeite gerade dran, den nächsten Kubaurlaub zusammenzustellen. Sieht so aus, als ob wir wieder das Angebot wahrnehmen werden, mit Airberlin über Düsseldorf nach Varadero zu fliegen. Dort nehmen wir ein billiges All-Inklusive-Hotel, das wir nur als Sprungbrett benutzen. Also für die erste Nacht nach Anreise und für die vier oder fünf Nächte vor der Abreise. Dazwischen stromern wir durch Havanna, trinken Rum, rauchen Zigarren, hören Son & Salsa, flirten und halten das Gesicht in die Sonne ...
Aber bis dahin vergehen ein paar Tage und diese Tage, in denen das Wetter immer besser und besser wird, gehören ebenso zur Vorfreude wie das Wissen, dass wir bald wieder dort sind.
27.02.2013
Gutsprech - und wieso das wie Dünnschiss ist
Der Schriftsteller Andreas Eschbach hat auf seinem Google Plus Account einen Beitrag der FAZ verlinkt, in dem es um weitere Manipulationsversuche - oder Anpassungsversuche der deutschen Sprache durch diverse Komitees geht. Die Diskussion auf Andreas Eschbachs Account ist durchwachsen und weit weg von verspießert, proletarisch und blöd. Und dennoch will kein rechtes Verständnis für die geplanten oder angedachten Eingriffe in die Sprache aufkommen.
Im Artikel in der FAZ geht es beispielsweise um Worte und Umschreibungen wie: Behindertentransport, bildungsferne Schicht, Bürger mit Migrationshintergrund ... oder etwa: alleinerziehend, arbeitslos, ...
Das Problem einiger der oben genannten Begriffe scheint mir, ist die euphemistische Tretmühle. Das geht so: die Sprache, so wie wir sie vorfinden, bietet die Möglichkeit, die Dinge nicht nur auf den Punkt genau zu benennen, sondern die Begriffswahl aus verschiedenen Sichtweisen zu konnotieren. Das bedeutet, man verwendet ein Wort nicht nur, um ein Ding, einen Umstand, irgendetwas zu benennen und damit eindeutig zuordenbar zu machen, sondern man gibt auch durch die Wahl des Begriffs zu verstehen, aus welchem Blickwinkel, mit welcher Gesinnung man einen Gegenstand, einen Umstand, irgendetwas benennt. Das ist eine Freiheit des Menschen, und diese Freiheit lässt sich der Mensch nicht gerne nehmen. Und wenn dies doch versucht, angedroht wird, dann wird der Mensch, der ganz besonders viel Wert darauf legt, durch seine Sprachwahl auch Wertung und Positionierung wahrzunehmen, erst so richtig ruppig.
Die Erziehungsversuche der Sturm- und Drang bewegten Sprachbereiniger sind in sich höchst untauglich und im schlimmsten Fall bewirken sie das Gegenteil von dem, was bewirkt werden soll. Der Versuch, durch Eingriffe in die Alltagssprache eine liberalere Gesinnung zu erzwingen, kann nur in die Hose gehen. Die Versuche, durch die Sprache an der Gesinnung der Menschen zu drehen, geht von der irren Prämisse aus, dass der Mensch edel, hilfreich und gut ist.Ich bin ja nicht gerne ein Spielverderber, aber genau die Leute, die man versucht, über die Sprachchirurgie zu mehr Liberalität und Sensibilität zu erziehen, sind die, die sich begierig auf diese neu erdachten Einschränkungen stürzen, und lustvoll, wie bösartige Kobolde, aus den angedrohten Sprachamputationen noch viel schlimmere, grausamere und hinterfotzigere Bösartigkeiten kreieren. Merke: nichts fordert die Kreativität des Menschen so sehr wie die Aussicht darauf, ungestraft ein Arschloch sein zu können. Und damit sind wir auch schon direkt am Punkt. Die Mitmenschen, die solche Sprach-eingriffe treffen könnten, die werden sich nicht fügen. Die werden nicht liberaler. Im gegenteil, weil sie hundsgemeine, widerwärtige und bösartige Arschlöcher sind, werden sie die Verbote wie Standarten triumphierend in die Höhe recken. Und so wird aus dem eindeutig zuordenbaren Begriff Neger zuerst einmal ein Schwarzer und daraus ein mit bösem Smiley versehener Maximalpigmentierter. Aus der Schubhaft wird das Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen; der Euphemismus geht nach hinten los und spritzt den Verursachern wie Dünnschiss ins Gesicht.
Ein weiterer, nicht von der Hand zu weisender Effekt solcher Unterfangen ist, dass der Sprache die Unverfänglichkeit genommen wird. Es gab und gibt Begriffe, von denen man lernt, dass man sie nie nutzt, sie sind unanständig, böse und gemein. man sagt zu niemand, dass er ein samenloser Beidlwichser ist. Auch wenn er einer ist. Die Nutzung und/oder Nichtnutzung dieser Begriffe ist Erziehungssache; der Mensch muss lernen mit der Sprache verantwortungsvoll umzugehen; dies bedeutet aber auch, dass man ihm die Wahl lässt, sich im Ton zu vergreifen. Jemand die dunklen Gassen der Sprache zu verbieten heißt, ihn dazu aufzufordern sie eben auf andere Weise zu erforschen. man kann einem Kind das Messer wegnehmen, damit es sich und andere nicht verletzt, aber irgendwann muss man dem Kind beibringen verantwortungsvoll mit dem Messer umzugehen.
Je mehr versucht wird, der Sprache die Zähne zu ziehen, desto befangener wird sie. Überall Tretminen, Verbote, Umleitungen, die Menschen erstarren in dem, was sie sagen wollen, weil sie nicht mehr wissen, ob es opportun ist, es überhaupt zu sagen. Und wenn etwas gesagt wird, dann nur noch beliebiges, austauschbares, reingewaschen, gefaltet und kraftlos.
Das ist eine Entwicklung, die ich nicht mitmache. Und ich fordere jeden Bürger auf, sich im Angesicht solcher Sprachmanipulationsversuche sich so zu verhalten, wie ich das tue: Nicht einmal ignorieren.
Im Artikel in der FAZ geht es beispielsweise um Worte und Umschreibungen wie: Behindertentransport, bildungsferne Schicht, Bürger mit Migrationshintergrund ... oder etwa: alleinerziehend, arbeitslos, ...
Das Problem einiger der oben genannten Begriffe scheint mir, ist die euphemistische Tretmühle. Das geht so: die Sprache, so wie wir sie vorfinden, bietet die Möglichkeit, die Dinge nicht nur auf den Punkt genau zu benennen, sondern die Begriffswahl aus verschiedenen Sichtweisen zu konnotieren. Das bedeutet, man verwendet ein Wort nicht nur, um ein Ding, einen Umstand, irgendetwas zu benennen und damit eindeutig zuordenbar zu machen, sondern man gibt auch durch die Wahl des Begriffs zu verstehen, aus welchem Blickwinkel, mit welcher Gesinnung man einen Gegenstand, einen Umstand, irgendetwas benennt. Das ist eine Freiheit des Menschen, und diese Freiheit lässt sich der Mensch nicht gerne nehmen. Und wenn dies doch versucht, angedroht wird, dann wird der Mensch, der ganz besonders viel Wert darauf legt, durch seine Sprachwahl auch Wertung und Positionierung wahrzunehmen, erst so richtig ruppig.
Die Erziehungsversuche der Sturm- und Drang bewegten Sprachbereiniger sind in sich höchst untauglich und im schlimmsten Fall bewirken sie das Gegenteil von dem, was bewirkt werden soll. Der Versuch, durch Eingriffe in die Alltagssprache eine liberalere Gesinnung zu erzwingen, kann nur in die Hose gehen. Die Versuche, durch die Sprache an der Gesinnung der Menschen zu drehen, geht von der irren Prämisse aus, dass der Mensch edel, hilfreich und gut ist.Ich bin ja nicht gerne ein Spielverderber, aber genau die Leute, die man versucht, über die Sprachchirurgie zu mehr Liberalität und Sensibilität zu erziehen, sind die, die sich begierig auf diese neu erdachten Einschränkungen stürzen, und lustvoll, wie bösartige Kobolde, aus den angedrohten Sprachamputationen noch viel schlimmere, grausamere und hinterfotzigere Bösartigkeiten kreieren. Merke: nichts fordert die Kreativität des Menschen so sehr wie die Aussicht darauf, ungestraft ein Arschloch sein zu können. Und damit sind wir auch schon direkt am Punkt. Die Mitmenschen, die solche Sprach-eingriffe treffen könnten, die werden sich nicht fügen. Die werden nicht liberaler. Im gegenteil, weil sie hundsgemeine, widerwärtige und bösartige Arschlöcher sind, werden sie die Verbote wie Standarten triumphierend in die Höhe recken. Und so wird aus dem eindeutig zuordenbaren Begriff Neger zuerst einmal ein Schwarzer und daraus ein mit bösem Smiley versehener Maximalpigmentierter. Aus der Schubhaft wird das Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen; der Euphemismus geht nach hinten los und spritzt den Verursachern wie Dünnschiss ins Gesicht.
Ein weiterer, nicht von der Hand zu weisender Effekt solcher Unterfangen ist, dass der Sprache die Unverfänglichkeit genommen wird. Es gab und gibt Begriffe, von denen man lernt, dass man sie nie nutzt, sie sind unanständig, böse und gemein. man sagt zu niemand, dass er ein samenloser Beidlwichser ist. Auch wenn er einer ist. Die Nutzung und/oder Nichtnutzung dieser Begriffe ist Erziehungssache; der Mensch muss lernen mit der Sprache verantwortungsvoll umzugehen; dies bedeutet aber auch, dass man ihm die Wahl lässt, sich im Ton zu vergreifen. Jemand die dunklen Gassen der Sprache zu verbieten heißt, ihn dazu aufzufordern sie eben auf andere Weise zu erforschen. man kann einem Kind das Messer wegnehmen, damit es sich und andere nicht verletzt, aber irgendwann muss man dem Kind beibringen verantwortungsvoll mit dem Messer umzugehen.
Je mehr versucht wird, der Sprache die Zähne zu ziehen, desto befangener wird sie. Überall Tretminen, Verbote, Umleitungen, die Menschen erstarren in dem, was sie sagen wollen, weil sie nicht mehr wissen, ob es opportun ist, es überhaupt zu sagen. Und wenn etwas gesagt wird, dann nur noch beliebiges, austauschbares, reingewaschen, gefaltet und kraftlos.
Das ist eine Entwicklung, die ich nicht mitmache. Und ich fordere jeden Bürger auf, sich im Angesicht solcher Sprachmanipulationsversuche sich so zu verhalten, wie ich das tue: Nicht einmal ignorieren.
25.02.2013
23.02.2013
Von der Geringschätzung der Leser
In verschiedenen Internetforen tauschen sich Schriftsteller über das Schreiben aus. Es geht sehr oft um die Frage, wie und wo und zu welchen Konditionen man publiziert werden könne. Es geht aber auch oft um Textarbeit. Da zeigen viele Foren ihre eigentliche Qualität, und zwar nicht unbedingt im besten Sinn des Wortes. Junge Autoren stellen Texte ein und bitten die anderen Forenteilnehmer, Kritiken zu verfassen, in der Hoffnung, daraus lernen zu können.
Das geht manchmal gut. Sehr oft aber gehts daneben, und zwar, weil die Texte der unerfahrenen Autoren von ebenso unerfahrenen Autoren kritisiert werden. In den Kritiken geht es sehr oft um Pipikram wie Rechtschreibfehler und Interpunktion (und da kommt es dann mit schöner Regelmäßigkeit dazu, dass ein an und für sich schon recht gut zu lesender Text zerrissen wird), aber auch um den Versuch des Kritikers, sich als Stilkenner zu beweisen und seine aus Schreibratgebern zusammengepusselten Kenntnisse wie Standarten hochzuhalten. Und da kommen dann Meldungen wie: Das kannst so nicht schreiben, das versteht der Leser nicht, weil ...
Diese Urteile sind dumm und gefährlich, weil sie aus purer Unkenntnis stilistischer und literarischer Methoden herrühren, aber auch aus der Arroganz des jungen Autoren erwachsen, in der Lage zu sein, komplexer denken zu können, als der Leser.
Das beginnt mit der krampfhaften Suche nach Ersatz für das Wort "sagte" und erstreckt sich über völlig mißverstandene Perspektivführung: Du kannst nicht über den Ertrinkenden schreiben, der von Bord des Schiffes gefallen ist und allein im Meer treibt, denn es ist ja niemand da, der ihn beobachtet und darüber berichten kann. Und Du kannst doch nicht die Perspektive zu auktorial wechseln, Mensch!
Diese Arroganz ist insofern gefährlich, weil sie jede Entwicklungsarbeit hemmt. Im Idealfall wächst der Autor mit dem Leser und der Leser wächst mit dem Autor. Wer sich als Leser oder Autor in ein Biotop aus Kriminalroman, Historienroman, Fantasy, Sci-Fi oder welches Genre auch immer sperrt, negiert die großartige Schönheit der Literatur. Wer immer nur für seine Leser schreibt, wird nie über sich hinauswachsen und seinen Stil weiterentwickeln können. Als Schriftsteller muss man bereit sein, auch mal gegen die Leserinteressen anzuschreiben, gegen die Erwartungen, und man muss bereit sein, auch mal scheitern zu können. Nur auf Nummer sicher zu gehen, ist langweilig, hemmend und feig. Und ebenso ist es mit dem Leser, der aus den reichhaltigen Möglichkeiten, an und mit Literatur zu wachsen, einen Hamburgerladen macht, in dem er tagtäglich das gleiche Menü bestellt. Man muss es sich auch als Leser erlauben, an einem Buch zu scheitern.
Jedenfalls erscheint mir die Arbeit eines Schriftstellers, der sich mehr der Geschichte verpflichtet fühlt als seinem Leser, wesentlich glaubwürdiger, als der Autor, der sich zur Hure der Lesererwartung macht. Ein Autor, der seine Leser herausfordert, ist für mich jedenfalls interessanter, als die Biotopwasserliferanten.
Deshalb bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher, ob es für junge Schriftsteller wirklich empfehlenswert ist, Texte in Foren einzustellen, um sie diskutieren zu lassen. Ehrlich, ich würde sogar davon abraten!
Das geht manchmal gut. Sehr oft aber gehts daneben, und zwar, weil die Texte der unerfahrenen Autoren von ebenso unerfahrenen Autoren kritisiert werden. In den Kritiken geht es sehr oft um Pipikram wie Rechtschreibfehler und Interpunktion (und da kommt es dann mit schöner Regelmäßigkeit dazu, dass ein an und für sich schon recht gut zu lesender Text zerrissen wird), aber auch um den Versuch des Kritikers, sich als Stilkenner zu beweisen und seine aus Schreibratgebern zusammengepusselten Kenntnisse wie Standarten hochzuhalten. Und da kommen dann Meldungen wie: Das kannst so nicht schreiben, das versteht der Leser nicht, weil ...
Diese Urteile sind dumm und gefährlich, weil sie aus purer Unkenntnis stilistischer und literarischer Methoden herrühren, aber auch aus der Arroganz des jungen Autoren erwachsen, in der Lage zu sein, komplexer denken zu können, als der Leser.
Das beginnt mit der krampfhaften Suche nach Ersatz für das Wort "sagte" und erstreckt sich über völlig mißverstandene Perspektivführung: Du kannst nicht über den Ertrinkenden schreiben, der von Bord des Schiffes gefallen ist und allein im Meer treibt, denn es ist ja niemand da, der ihn beobachtet und darüber berichten kann. Und Du kannst doch nicht die Perspektive zu auktorial wechseln, Mensch!
Diese Arroganz ist insofern gefährlich, weil sie jede Entwicklungsarbeit hemmt. Im Idealfall wächst der Autor mit dem Leser und der Leser wächst mit dem Autor. Wer sich als Leser oder Autor in ein Biotop aus Kriminalroman, Historienroman, Fantasy, Sci-Fi oder welches Genre auch immer sperrt, negiert die großartige Schönheit der Literatur. Wer immer nur für seine Leser schreibt, wird nie über sich hinauswachsen und seinen Stil weiterentwickeln können. Als Schriftsteller muss man bereit sein, auch mal gegen die Leserinteressen anzuschreiben, gegen die Erwartungen, und man muss bereit sein, auch mal scheitern zu können. Nur auf Nummer sicher zu gehen, ist langweilig, hemmend und feig. Und ebenso ist es mit dem Leser, der aus den reichhaltigen Möglichkeiten, an und mit Literatur zu wachsen, einen Hamburgerladen macht, in dem er tagtäglich das gleiche Menü bestellt. Man muss es sich auch als Leser erlauben, an einem Buch zu scheitern.
Jedenfalls erscheint mir die Arbeit eines Schriftstellers, der sich mehr der Geschichte verpflichtet fühlt als seinem Leser, wesentlich glaubwürdiger, als der Autor, der sich zur Hure der Lesererwartung macht. Ein Autor, der seine Leser herausfordert, ist für mich jedenfalls interessanter, als die Biotopwasserliferanten.
Deshalb bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher, ob es für junge Schriftsteller wirklich empfehlenswert ist, Texte in Foren einzustellen, um sie diskutieren zu lassen. Ehrlich, ich würde sogar davon abraten!
Abonnieren
Posts (Atom)



