Ich mag zivilen Ungehorsam, die Bockigkeit des Bürgers, seine Widerstandskraft gegen Flüsterer, Verführer und politische Marktschreier. Der zivile Ungehorsam brachte der FPÖ regen Zulauf von vor allem jungen Wählern, die es “denen da oben” mal so richtig zeigen wollen, weil die FPÖ Politiker eine so leicht verständliche, schuldzuweisende und schneidig-zynische Sprache sprechen. Inzwischen sollte sich bis zu den jungen FPÖ Wählern herumgesprochen haben, dass die Urmotor der FPÖ nicht ziviler Ungehorsam ist, sondern Kadergehorsam und kleinbürgerliche Gehässigkeit.
Ich orte den zivilen Ungehorsam jedoch wo anders: Arigona Zogaj wird diese Woche 18 Jahre alt und könnte nun ohne ihre Mutter in den Kosovo abgeschoben werden. Da wir in Zeiten blitzschneller Kommunikation leben, kann dies nicht mehr bei Nacht und Nebel geschehen: ge-twittert und ge sms´t sind Neuigkeiten schnell überall abrufbar.
Robert Misik erläutert in seinem Text zum Thema:
Diese Woche feiert Arigona Zogaj ihren 18. Geburtstag. Aber Grund zur Freude ist das für sie keiner: Ab jetzt könnte sie auch ohne ihre Mutter abgeschoben werden. Aber lassen wir unsere Phantasie spielen: Stellen wir uns vor, irgendwann holt sie ein polizeiliches Überfallkommando von zu Hause ab. Das wird sich nicht verheimlichen lassen. Und dann fahren die sie zum Flughafen. Und stellen wir uns vor, da ist ein Flugzeugpilot, der sagt: Nein, dieses Flugzeug flieg ich nicht. Oder stellen wir uns vor, man kriegt das mit, dass sie abgeholt wurde. Das verbreitet sich in Windeseile über soziale Netzwerke. Und dann fahren ein paar tausend Menschen zum Flughafen. Legen die Autobahn lahm. Klettern über den Zaun, setzen sich auf die Rollbahn. Schreiben der Innenministerin von der Christenpartei ins Stammbuch: Was ihr meiner Nächsten antut, dass tut ihr mir an. Und sagen: Hurra, wir kapitulieren nicht vor den Bösmenschen.
Dem schließe ich mich vorbehaltlos an. Seid ungehorsam und unbotmäßig, eigenwillig und wirklich bürgerlich. Wenn der Tag kommt, an dem das Mädchen abgeschoben werden soll, verbreitet die Neuigkeit mit allen technischen Mitteln. Und dann gehen wir auf der Autobahn spazieren, machen ein Sit-In am Flughafen – und vielleicht verweigert der Pilot wirklich den Flug. Es kann und darf nicht sein, dass in Österreich dem Willen einer aufgehetzten, instrumentalisierten Bevölkerung gefolgt wird, einer böswilligen und hasserfüllten Unmenschlichkeit, die sich daran labt, jemand ausgeliefert und verstoßen zu wissen!
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