Streets & Silence

Ich nahm ein Bad und lauschte dem Gesang des Wasserhahns
bis meine Finger schrumpelig wurden und meine Ohren taub
und später stand ich nackt am kalten Fenster
und sah in das Geplärr der Straße hinab.

Es war ein winkelschiefer Sonntag, der in den Angeln quietschte
ein Tag für Tee und verschlossene Türen
aber ich nahm die Kamera und drehte mich
damit auf der Straße in poetischen Kreisen

Ich sah in Farbe und schwarzweiß, ich sah das Alte fallen und das Neue
auferstehen, ich spürte das Dröhnen der U-Bahn und den Atem
der Menschen in ihr auf meinen Fußsohlen
ich war auf der Straße und schritt durch handgestrickten Nebel zum Fluss

Bitte kein Bild von mir, sagte ein Frau mit Kind und lächelte sepia
ein Jugendlicher verzog anzüglich das Gesicht und küsste sein Mädchen
ich sah sie scharf umrissen, in diesem Schwarzweißfilm laufen
jede Bewegung ein jugendlicher Stich ins alte Herz

Ich nahm die U-Bahn und wir wogten wie Seetang
Mädchen mit weißen in-ear Kopfhörern und alte Frauen mit kaltem Salat & Fisch
von der Nordsee, Jungs mit Jeans von H&M oder C&A, egal
jetzt waren wir alle nur Passagiere und ja, ich habe sie alle gesehen

Als der Tag in sich zusammenstürzte und kraftlos in den Seilen hing
ging ich nach Hause, um Wärme zu suchen und die Bilder zu sichten
ich blieb bis lange nach Mitternacht auf und schrieb jedem einzelnen
ein langes, ungereimtes Gedicht.







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