Ich hatte seit jeher eine Vorliebe für all jene Künstler, die abseits des Mainstreams an ihren Werken arbeiten, nur hin & wieder beinahe andächtig und weihevoll in den Medien erwähnt werden, und dann wieder abtauchen – ich liebte seit jeher die Sagengestalten der Kreativszene, so wie ich seit jeher die unsichtbaren Monster in der undurchdringlichen Finsternis der Meerestiefe liebte. Sie tauchen auf, beschämen die Funktionalkünstler, die ohne staatliche Unterstützung aus ihren Bobo Wohnungen fliegen würden, wo sie in inzüchtigen Kommunen zusammen hausen, und sich ihre Amazonkritiken gegenseitig schreiben, oder die Erfolgreichen auf den Listen, die ihre Kreativität an das Wohlwollen von Publikum und Kritiker verkauft haben … und elegant wie Wale, gewirkt aus Weisheit, Wut und literarischem Anspruch tauchen sie wieder ab. Blubb.
In der Musik ist zum Beispiel Vangelis so ein Tiefseemonster, oder Peter Gabriel, auch Edgar Froese darf sich mittlerweile dazuzählen.
In der Literatur sind es die großen alten Namen, wie zB Salinger, Proulx oder Ende, oder, gerade jetzt und für mich: Cormac McCarthy. Anlässlich der Veröffentlichung seines Romans Die Straße habe ich schon einmal einen längeren Beitrag veröffentlicht, der ging aber beim Kopieren von einem Bloganbieter zum anderen flöten.
Die von mir aufgezählten Namen unterscheidet eines von all den anderen großen und vom Literaturfeullioton geliebten Autoren: Sie wirkten nur durch ihr Werk und nicht durch zahllose Fernsehauftritte, Talkshows, Wortspenden zur Tagespolitik etc pipapo … Und Cormac McCarthy ist so ein richtiger alter Grantscherben, den ich einfach mögen muss: ein großartiger Literat, der sich erlauben darf das zu sagen, was ich mir schon immer gedacht habe und nie zu sagen wagte, weil man das als Neid & Scheitern & Geschwall auslegen könnte:
Er hat nie einen Gedanken an Leser, an ein Publikum verschwendet. Und nun, mit 59, droht ihm plötzlich der Erfolg. Er wird sich die Haare färben, sagt er, und einen falschen Paß zulegen und abtauchen über die Grenze. “Bestsellerlisten haben nichts mit Literatur zu tun.” Er schüttelt den Kopf. “Haben Sie sich die Titel einmal angeschaut die dort auf der Liste stehen? Meinen Sie etwa, es ist schmeichelhaft, in dieser Gesellschaft zu sein?” Sein Erfolg – ein entsetzliches Mißverständnis. (Der Spiegel 36/1992, 31. August 1992, S. 198)
So, und jetzt gebt Euch bitte das Interview mit Cormac McCarthy aus dem Jahr 2008


