17.03.2019

Der Tod eines Buches


Bücher können sterben. Das ist natürlich ein schauerromantischer Denkansatz, aber ja, ich glaube, dass Bücher sterben können. Damit meine ich gedruckte Bücher, die in den Handel kommen, die sich nicht besonders gut verkaufen, so dass der ersten Auflage keine zweite Auflage folgt, und das Buch vom Markt verschwindet. Stimmt schon, irgendjemand hat es irgendwo, in einem Regal, in einer Truhe, in einer Pappschachtel auf dem Dachboden. Und in irgendeinem Antiquariat kann man es auch vielleicht noch finden. In einem Secondhandshop.
Das ist das Abenteuerliche an gedruckten Büchern: Sie leben nicht ewig, sind nicht für immer verfügbar, doch sie wirken nach. Sie beeinflussen Schriftsteller, sie beeinflussen Leser, die nach mehr von diesem Schriftsteller suchen, und, weil eben nicht alles jederzeit und überall verfügbar ist, bekommen solche verschollenen Bücher einen geheimnisvollen Nimbus.
Irgendwann findet man durch Zufall in irgendeinem Laden, auf dem Flohmarkt, auf einem Dachboden, ein längst verschollen geglaubtes Buch. Dieses Gefühl, etwas Rares in Händen zu halten, etwas von alt gewordener Seltenheit, das ist ein bewegendes Gefühl, dem man sich voll und ganz verschließt, wenn man Bücher nur als E-Books kauft und nur online bestellt.

Deswegen mein kleiner Aufruf: Kommt aus der Komfortzone, klappt den Rechner zu, legt das Smartphone weg, steckt Euch ein paar Euros ein und geht - flaniert in die Stadt und besucht Buchläden, Antiquariate, Secondhandshops. Man kann dort so viele Schätze entdecken, die in den großen Online-Shops gar nicht (mehr) gelistet sind. Wenn man selbst suchen geht, dann schüttelt man auch das Gefühl ab, literarisch immer auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln, vom Markt umgarnt zu werden. Buchhandlungen und Antiquariate haben etwas von zivilem Ungehorsam, nicht gegen den Staat sondern gegen den Zeitgeist, dass alles zu jeder Zeit überall für jeden verfügbar sein muss, denn das macht alles Verfügbare beliebig und austauschbar.


16.03.2019

Ein paar Worte über Onlinesicherheit

Natürlich weiß inzwischen mehr oder weniger jeder, der das Internet nutzt, dass all der Kram, den wir uns reinziehen, nur deshalb gratis sein kann, weil wir mit unseren Daten zahlen. Oder sagen wir mal so: Mit unseren Daten zahlen sollen. Alle greifen Daten ab, im Fokus sind aber immer nur einige große Namen wie Google, Microsoft, Facebook.
Das Thema ist weder schwarz noch weiß, es hat unzählige Schattierungen. Was ich mir für mich und meine Daten denke ist: Was wird von wem wie abgegriffen, und will ich das? Und wenn ich das nicht will, was kann ich dagegen tun, ohne mir das Onlineleben zu verunmöglichen?


Früher hatte man ein Türschild an der Tür, und wenn man wohin kam, stellte man sich mit Namen und Beruf vor, gab eventuell noch den Familienstand bekannt, und wenn man die Menschen besser kannte, berichtete man über Freizeit und Beruf. Der Empfängerkreis war auf die Leute eingeschränkt, denen man sich persönlich mitteilte, und unkontrollierbar da, wo die Bassenatratscherei begann.
Heute kommen zu den persönlichen Daten auch noch technische Daten, und die Summe aus diesen Informationen ergibt ein recht aufschlussreiches Bild über den Mensch, der hier im Internet surft, sich in ein Forum einloggt, Twittereinträge schickt und auf Facebook seine Gedanken postet.
In Wirklichkeit ist es ganz einfach: Sag auf Twitter, in Facebook nichts, was Du nicht auch in einem Gespräch mit Fremden sagen würdest.Veröffentliche auf Instagram keine Fotos, die Du nicht in ein Fotoalbum kleben würdest. Schreib keine Tagebucheinträge auf Plattformen wie diaroapp.com oder dayoneapp.com, die Du nicht in ein Notizbuch aus Papier schreiben würdest, wenn sie beschänend wären, falls sich jemand gewaltsam Zutrit verschafft und unerlaubt in Deinen Notizen liest.

Ganz grundsätzlich sollte man, und damit meine ich auch mich selbst, dem Web so wenig Informationen wie möglich überlassen. Nicht jeden Schaß, der im Gedärm wird, veröffentlichen.
Das ist es ja, was das Web suggeriert und bietet: Jeder kann zu jeder Zeit alles was er will, frei von Kuratel, veröffentlichen. Meinungen, Kommentare, Gedanken, Gedichte, Romane, Essays, Kurzgeschichten, Schwachsinn und Unfug. Aus dieser Gegebenheit wurde für viele, die sich früher gar nicht oder kaum Gehör verschaffen konnten, ein Recht. Das Recht auf Meinungsfreiheit wurde für sie zum Recht, jederzeit und überall nicht nur eine Plattform zu haben, wo sie ihre Meinungen und Erinnerungen, Einschätzungen und Ängste veröffentlichen können, sondern auch ein Publikum.
Und daraus wird aus dieser Überzeugung eine Pflicht für "die anderen": Man hat nicht nur das Recht, in der Öffentlichkeit seine Mnung zu sagen, sondern "irgendwer" hat auch die Pflicht, die dafür notwendigen Technologien und Lösungen zur Verfügung zu stellen.
Die Unzahl an Meinungen, Gedanken, Träumen, Ängsten und so weiter, sagen denen, die sich dafür interessieren, die über die entsprechenden technischen Kenntnisse und Systeme verfügen, sehr viel über die Laune des Volkes - Tendenzen, Strömungen, Begierden. Natürlich wissen diese Leute aber auch, dass die im Internet veröffentlichte Meinung nicht der ganzen Wahrheit entspricht, weil ja nicht alle im Internet wirklich das schreiben, was sie wirklich denken: hier vermischt sich die Lust daran, sich mitzuteilen, mit der Lust, zu verwirren, zu provozieren, zu reizen.
All diese Diskussionen machen müde und erschöpfen mich, weil ich nach den Jahren, die ich damit vergeudet habe, mich zu beteiligen, entdeckt habe, dass sich die Gespräche unaufhörlich im Kreis drehen. Die immer gleichen Argumente, Strategien, Annahmen, Befürchtungen, vorgtragen mit der immer wieder durchsimmernden Altersweisheit und fieberhaften Wut.


Das Gefühl der Unsicherheit, das bleibt, wenn man sich oft und andauernd im Web herumtreibt, ist, dass im Hintergrund Services und Dienste arbeiten, die alle möglichen Informationen über den Nutzer zusammentragen. Das muss gar keinen niederträchtigen Grund haben. Es genügt schon, dass dies jemand macht, ohne zu fragen, ob man das überhaupt will.
Und dagegen kann man schon etwas tun.

  • Verwende einen Browser, der nicht im Hintergrund Daten an den Hersteller sendet, schon gar nicht, wenn die Verarbeitung von Daten zu Werbezwecken das Business des Browserherstellers ist. Ich empfehle brave.com, der auf Chromium aufsetzt und komplett entgoogelt wurde.
  • Verwende einen DNS Server, der Deine Such- und Verbindungsanfragen nicht vekauft, sondern vom Start weg verschlüsselt. Dafür empfehle ich 1.1.1.1.
  • Verwende nur verschlüsselte Verbindungen
  • Verwende einen Passwortmanager und für jeden Account ein komplexes, 8-12-stelliges Passwort. Da empfehle ich Dashlane.
  • Man muss sich nicht an dem Zitat aus "The kings men" orientieren, aber es im Hinterkopf zu haben, wenn man wieder einmal im Web öffentlich auftreten will, es kann aber auch nicht schaden: "Ein Gentleman ist nur zweimal im Leben in der Zeitung. Zu seiner Vermählung und in seiner Todesmeldung." 

13.03.2019

Produktivität vs. Effektivität


Als ich anfing zu schreiben, zum ersten Mal überlegte, einen Roman zu schreiben, dachte ich in epischen Maßstäben. Wenn ich ein Buch schreibe, dann muss es der große, europäische Roman sein. Mindestens sechshundert Seiten. Das musste ein Ziegel werden.

Das Leben zeigte mir, dass ich weder in der Lage war, einen großen, europäischen Roman zu schreiben, noch, dass ich es schaffe, einen Roman zu schreiben, der mehr als dreihundert Seiten hat, der glaubwürdig ist und dicht. Das habe ich bis jetzt nur einmal geschafft: Die Inseln im Westen. Und da hatte das Rohmanuskript eintausendzweihundertdreißig Seiten; das habe ich auf rund neunhundert Manuskriptseiten eingedampft.

Mir liegt die dreihundert Seiten Grenze und wenns geht, dann schreibe ich am liebsten noch kürzere Romane.
Gerade lese ich Dezember Park von Ronald Malfi, der mich ein wenig an Stephen Kings Jugendgeschichten erinnert, und an Ray Bradburys Staubhexen und Jugendabenteuer. Aber das verdammte Ding hat einfach um rund einhundertfünfzig Seiten zu viel, auf denen der Autor nicht erzählt sondern schwafelt. Um damit zum Punkt zu kommen: Er war produktiv, als er den Roman verfasste, korrigierte und überarbeitete, aber das Ergebnis ist nicht effektiv. Ich als Leser habe das Gefühl, beim Lesen leere Kilometer zu machen.


Und genau so geht es mir bei all den Produktivitätsratgebern und Produktivitätstools. Alle schreien Dich an: Sei produktiv. Wir sagen Dir, wie!
Freunde, ich will nicht produktiv, Ich will effektiv sein. Wenn ich produktiv schon höre! Als ich noch bei UPC arbeitete, war ich in der IT am Rande mit einem Projekt befasst, in dem es um die Konsolidierung von Verrechnungs- und Provisionierungssystemen ging, für das die Firma Accenture beauftragt wurde. Freunde, die waren produktiv. Keine Powerpointpräsentation unter zwanzig Seiten.

Gut, mit der Entwicklung neuer Kollaborationstools wie Twist oder Trello, Slack oder Dropbox Paper wurde auch die Arbeitskultur nachhaltig verändert und Effektivität durch schlankes Projektmanagement erzielt. Eh die richtige Richtung mit agilem Projektmanagement und so weiter und so fort. Für das Selbstmanagement heißt es aber noch immer Produktivität ist super!

Mein pars pro toto in dieser Sache ist die Bullet Journal Methode nach Ryder Carroll. Das ist ein Hype, dass die Türe nicht zugeht. Ich meine, mir gefällt der Zugang, sich von all den Produktivitäts-Apps freizumachen und durch das Schreiben per Hand auf Papier einen anderen, unmittelbareren Zugang zu sich selbst zu finden. Aber das Drumherum. Aber das sektenhafte Getue der Bullet-Journal-Method-Community! Die sich gegenseitig loben und kritisieren, wenn sie in ihren Foren über neue Symbole und Seitenaufteilungen schwadronieren.
ich meine, hallo?
Die verbrennen 80% ihrer Produktivität mit der Administration ihrer Effektivität. Und fühlen sich wohl dabei.
Andererseits darf ich nicht so überheblich sein und diese Herangehensweise verurteilen, ohne etwas Besseres vorschlagen zu können.
Mein Zugang zur Effektivität ist sehr, sehr einfach: Das Wichtige zuerst. Und was wie wichtig ist, gewichte ich in der Früh, wenn ich mit dem Laptop im Wohnzimmer sitze, Kaffee trinke und Todoist offen habe, oder das Notizbuch neben mir.

Das ist alles andere als eine umfassende, knackige Lösung, schon klar. Aber es ist die Schlussfolgerung aus meiner Erkenntnis, dass man eben nicht immer planen muss, nicht immer produktiv und effektiv sein. Manchmal eiert man einfach nur so herum und lebt sein Leben.

Für mich ist das mehr als okay.

12.03.2019

Mein(e) Reisemensch(en)


Mein Lieblingsreisemensch 1 ist ja der Richard. Sowieso. Wenn man so lange zusammen ist, wie wir beide, nämlich rund 23 1/2 Jahre, dann kennt man sich und die Macken des anderen, man weiß aber auch die Zuverlässigkeit und Verwandtheit zu schätzen. Zumindest gehts es mir so. Unsere ersten Reisen führten uns Mitte der Neunziger mit dem Auto (In dieser Reihenfolge: Mazda 626, Renault Megane Cabrio, Renault Megane III, Mercedes A180, Mercedes CLA 200d) nach Walcz in Polen. Das sind recht lange Fahrten, und in den Zeiten vor Internet und Smartphones und Navis war das auch immer ein wenig ein Abenteuer mit mies gefalteten Karten, schlecht beschilderten Straßen in der Tschechei und in Polen, urplötzlich endende Autobahnen, die sich von vierspurig auf einspurig verjüngen, und so weiter und so fort.
2001 flogen wir beide das erste Mal gemeinsam auf Urlaub. Unser Ziel war das Hotel El Mehdi in Mahdia in Tunesien. Der Flug ging mit einer tunesischen Charterairline nach Monastir und von dort mit dem Jeep weiter nach Mahdia. Im nächsten Jahr ging es nach Griechenland, auf die Insel Karpathos, genauer gesagt, nach Amoopi ins Hotel Helios, 2005 und 2006 flogen wir nach Gran Canaria (Playa del Inglés, Hotel Rondo) und fuhren mit dem Auto immer wieder im August nach Porec in Kroatien.

Keine dieser Reisen verlief völlig reibungslos und schon gar keine ging verlustfrei von statten. Damit meine ich, man verlier immer irgendetwas: Die Geduld, einen Zettel, eine Brieftasche, die Nerven ... Aber was soll ich sagen? Wenn man erst einmal überzuckert hat, dass es so etwas wie reibungsfreies Reisen einfach nicht gibt, dann wächst man an der Herausforderung, es für beide Reisepartner so gut wie nur irgend möglich doch stressarm zu gestalten. Wir haben für uns herausgefunden, speziell, seitdem man sehr viele Reisevorbereitungen auf dem Smartphone treffen kann, dass ich für die Verwaltung der Reise zuständig bin: Tickets, Versicherungen, Unterlagen, Planung) und Richard für die Reise selbst, Geldplanung, Ausflüge und Aktivitäten vor Ort.


Machen wir Urlaub mit dem Auto, ist Richard für das Fahren verantwortlich, dafür bin ich ein herrlich schläfriger Beifahrer, verreisen wir mit dem Flieger, kümmere ich mich um die Flugbuchung und um die Taxis von und zum Flughafen.
Kofferpacken ist reine Routine; das, was früher, ganz zu Beginn, noch gestresst hat, ist jetzt der Routine gewichen. Man gibt sich im Alter ja gerne weise. Ich sehe das etwas anders und lehne mich an Hemingway, der sagte: Im Alter wird man nicht weise. Man wird nur vorsichtig. Und natürlich, wie ein altes Zirkuspferd kennt man die Manege; im Fall von Reisenden eben alles, was mit Reisen zu tun hat und dabei schief gehen kann: Autobahnen, die auf einmal enden, Flugzeuge, die verspätet starten und den Anschlussflug erheblich gefährden, streikende Fluglinienarbeiter, in der Fremde samt Sack & Pack auf einmal da stehen und improvisierten müssen - haben wir alles gehabt und alles gemeistert :-)

Über unsere Kubareisen werde ich mal einen gesonderten Bericht verfassen, in dem ich mich vor allem mit Fluglinien, Langstreckenflügen und Flughäfen befassen werde. Reiseberichte zu Kuba gibt es hier in Hülle und Fülle: https://reisen.nathschlaeger.com.


Mein zweiter Reisemensch ist Michael, mein Trauzeuge. Allein war ich erst einmal mit ihm unterwegs, und zwar im September vor zwei Jahren in Lignano, Norditalien, um von dort aus Ausflüge in die Gegend zu machen (Triest, Grado, Lido, Venedig, Udine, Cividale, Portogruaro ...)

Michael, auch sehr reise erfahren, ist die Ruhe selbst, so wie ich, und das führte zu einer fast rentnerhaften Harmonie zwischen uns, die nur dadurch aufgebrochen wurde, weil er mir mit viel Wissen und Lust die Schönheiten von Friaul zeigte, und ich sehr gerne mit ihm an der Seite Norditalien entdeckte.
Zuvor waren wir schon zwei Mal zu Silvester in Lignano. Unsere Trauzeugen Alex & Michael, um ihren Hund Sandro von der Silvesterknallerei zu beschützen und um selbst ein wenig zur Ruhe z kommen, wir, um eine andere Art von Silvester zu erleben. Das verlief beide Male sehr schön, zwischen Richard und mir aber nicht ganz konfliktfrei, weil wir beide recht unterschiedlichen Zugang zu den Aktivitäten in und um Lignano hatten.

Jedenfalls fahre ich dieses Jahr wieder mit Michael nach Lignano und werden da wieder nach dem Wein schauen, den es dort in Hülle & Fülle gibt und am Balkon sitzen und aufs Meer schauen und träumen. Die Rentnergang auf großer Sause, ha!

09.03.2019

Hemingway & Goldsmith


Lange, sehr lange, bevor ich Ernest Hemingway las, habe ich ihn gehört. Und zwar, ohne zu wissen, dass es dabei um Hemingway geht.
Ich war in meinen späten Teenager- und in meinen frühen Twenjahren ein leidenschaftlicher Sammler von Filmmusik, und meine Lieblingskomponisten waren zu jener Zeit, in nicht wertender Reihenfolge: Jerry Goldsmith, James Horner, John Williams, John Barry, Alan Silvestri und Ennio Morricone.
In Wien gab es bis vor nicht all zu langer Zet ein Fachgeschäft für Filmmusik und Filmplakate, und wenn ich genug Geld hatte, um zumindest eine Schallplatte zu kaufen (das war zu Schillingzeiten an der alten Adresse des Geschäfts, als ich noch Schallplatten kaufte), ging ich dorthin, um stundenlang zu stöbern. Mir gefiel schon damals das Gefühl, in Antiquitäten einzutauchen. Alte Filme, von denen niemand mehr sprach, Komponisten, die keiner kannte und die doch alles beeinflusst hatten, was nach ihnen kam. Mir gefiel es, dort unzählige Soundtracks anzuhören, die Overear-Kopfhörer überzuziehen und in Abenteuerwelten zu versinken: Stu Philip mit Kampfstern Galactica, John Barry mit The Persuaders, John Williams mit Dracula, einer der besten Soundtracks überhaupt ...
Und natürlich hörte ich auf die Ratschläge des kahlköpfigen Geschäftsführers, dem ich wahrscheinlich irgendwie einerseits zur Last fiel, weil ich dauernd in seinem Laden herum hing und der sich andererseits freute, einen Filmmusik Fan zu haben. Für den Laden war ich wahrscheinlich der Bastian Baltasar Bux der Filmmusik.


Er machte mich auf Jerry Goldsmith aufmerksam, der auf meinem Radar nur ganz außen leise blinkte. Und dann auf die Sonderausgabe der Filmmusik zu dem alten, romantischen Film: Islands in the stream. "Hör dir das mal an", sagte er zu mir und natürlich hörte ich mir die drei ersten Tracks der CD an. Und war hin und weg. Zuerst hatte ich ein komisches Gefühl. Islands in the stream, das klang so wie ein Schmachtfetzen von Kenny Rogers. Und ich dachte, da gehts um Inseln in einem Fluss.
Wunderbare Ahnungslosigkeit. Es gab kein Internet, um sich Informationen zu beschaffen. Ich wusste nur, da gab es einen Film, der hieß Inseln im Strom, die Musik komponierte Jerry Goldsmith und die war wunderschön. Klanggewordene Lebensfreude.



Viel später erst erfuhr ich, dass mit Inseln im Strom die Inseln im Golfstrom gemeint waren, und dass es in dem Film um einen Maler geht, der auf Bimini lebt, und dessen Söhne auf zu ihm auf Besuch kommen. Noch später lernte ich, dass der Film auf Basis des gleichnamigen Romans von Ernest Hemingway gedreht wurde. Und sehr lange, bevor ich Der alte Mann und das Meer las, kaufte ich ein zerfleddertes Exemplar von Inseln im Strom, das ich bisher mindestens zehn Mal gelesen habe.
Nicht, ohne dabei die Musik von Jery Goldsmith zu hören, der, ohne all die Biographien von und über Ernest Hemingway zu berühren, seine eigene Interpretation zum Besten gab. Wir wissen, dass Thomas Hudson, der Maler, Hemingway selbst ist, und dass ihn die tiefe Liebe zu seinen Söhnen das Herz zerriss.


Das Geschäft, ich denke, es hieß IKARUS, gibt es nicht mehr. Die Schallplatten, die ich hatte, sind alle weg, die Filmmusiksammlung auf CDs ist im Keller in großen Kisten verpackt.
Mir kommt der Gedanke, ob es nicht Teil meiner Rückkehr aus dem digitalen Wunderland in das pre-digitale Zeitalter sein könnte, einen alten CD-Player mit ganz normalen, aber guten Stereoboxen zu kaufen und auf all diese At-your-fingertips-Verfügbarkeit zu verzichten.
Aber was mache ich dann mit der sündteuren Samsung Soundbar? Egal - das ist ein anderes Thema.

Mein Ratschlag: Hört Euch die alten, orchestralen Soundtracks von Jerry Goldsmith an. Oder Ennio Morricone. Wenn auch nur ein Hauch von einem Schriftsteller in Euch steckt, ist diese Musik für Euch wie Regen, der auf einen Wald fällt.

05.03.2019

Digital Detox Desaster


Leute, das mit dem Digital-Detox klappt nicht. Und das macht mich nicht stolz, eher mürbe.
Wie ich schon mal in diesem Blog schrieb, strebe ich eine Lösung aus der e-communication an; ein anderer begriff fällt mir nicht ein, um folgende Services, Solutions und Dienstleistungen in einem Begriff zusammenzufassen:
  • E-Mail
  • Taskplaner (Todoist)
  • Soziale Medien (Facebook, Twitter, Instagram)
  • Online Notizen
  • Online Recherche
  • Reiseunterstützende Solutions: Google Maps, Google Trips, Tripit, ...
  • Online Storage: eben auch für Reisedokumente, die ich am Smartphone dabei haben will
  • Website, Blog: um als Schriftsteller präsent zu sein
  • Bankgeschäfte, Finanzen
Der Verdacht, der mich die ganze Zeit begleitet, wenn ich all diese Services nutze, ist der, dass sie dazu verleiten, sich mehr mit ihnen selbst zu befassen als damit, wofür sie eigentlich gedacht sind. Rein theoretisch müsste ich ersatzlos auf folgendes verzichten können:
  • Soziale Medien
  • Online Notizen
  • E-Mail

Wobei E-Mail leider in zu vielen anderen Lösungen verankert ist, um ersatzlos gestrichen werden zu können. Tatsächlich klappt asynchrone Kommunikation inzwischen auch mit Whatsapp recht gut, wenn man sich einmal davon verabschiedet hat, dass die elektronische nachfolge vom Briefpapier die E-Mail sein muss.

Der Zwiespalt für mich ist, dass es einerseits nicht schaden kann, als Autor auch präsent zu sein, d.h., ich biete gerne dem Leser die Möglichkeit, ein wenig den Vorhang zu lupfen, um hinter die Kulissen zu bieten, aber ich möchte nicht allzusehr erfassbar sein. Im Film "The Kings Men" wird sinngemäß der Spruch geäußert, ein Gentleman sei nur zwei mal in seinem Leben in der Zeitung: Zu seiner Vermählung und in der Todesanzeige.
Ich würde das auch gerne so halten, sehe mich aber nicht in der Lage, mich komplett auszuklinken. Was ich stattdessen als leichter zu erreichendes Ziel erkannt habe, ist, an der Sichtbarkeit in den sozialen Medien zu schrauben. Okay, ich twittere auch wieder, nutze die Plattform aber nur, um neue Blogeinträge oder Bonmots meiner Befindlichkeiten rauszublasen. Mir folgen 4 Leute - derzeit. Da ist die Breitenwirksamkeit wirklich sehr überschaubar :-)
Instagram habe ich komplett aufgegeben, obwohl ich es auch hätte einschränken können wie zB. Facebook, wo ich die Sichtbarkeit meiner Beiträge auf die Handvoll Freunde eingeschränkt habe, die ich entweder persönlich kenne, oder durch meine Arbeit als Schriftsteller. Ein Grund, warum ich Instagram aufgegeben habe, ist, dass Instagram ein Nest volle schöner Lügen ist. Beispiel? ich suche über den #hashtag #Porec nach Fotos der istrischen Kleinstadt. was ich finde, sind schmollmundige Frauen in wehenden Kleidern mit Sektgläsern in der Hand, die vor der Kulisse der Stadt posieren, die im Hintergrund im Bokeh-Rausch vergeht. Natürlich hätte ich Instagram auf meine Freunde einschränken können (was ich eine Zeit lange auch gemacht habe), aber sobald man #hashtags verwendet, nach denen andere Leute suchen, krieg man eine Anfrage nach der anderen und ist schon wieder mitten drin im Unfug.

Was mich am Onlineleben auch noch stört, ist meine durch meinen Job bedingte, sehr leise Paranoia in Sachen Sicherheit. Zwei Sachen habe ich da gelernt: Sicherheit ist nicht bequem. Und am sichersten vor fremden Zugriff sind zerstörte Daten. Da ich meine Daten ja nun nicht demolieren will, hadere ich mit dem Zeitaufwand in Sachen Sicherheit. Das ist ein Haftlzwickerjob, als ob man dutzende Glasmurmeln daran hindern muss, über die Tischkante zu rollen.


Mein Conclusio aus all dem

  • Es ist nicht gut, online präsent zu sein. Man muss sehr genau darauf achten, zu welchen Themen man sich wie äußert. Gerade in Zeiten dieser Regierung (AT) scheint es mir unangemessen, sich freiwillig und ohne Not zu exponieren.
  • Es ist äußerst fragwürdig, ob all die Produktivitätstools mich wirklich produktiver machen, oder ob es nicht vielmehr so ist, dass der Umgang mit den Tools selbst nicht eher einen Spieltrieb befriedigt, als reine und notwendige Produktivität zu unterstützen.
  • Da bestimmte Prozesse und Lösungen offline fast nicht mehr denkbar sind (Reisebuchungen, Finanzen, etc ...) ist ein erheblicher Aufwand in die Sicherheit zu stecken. Nicht, dass jemand an mir reich werden könnte, aber ich würde mir selbst in den Arsch beißen, wenn mir einer das Wenige, das ich habe, auch noch unter den Füßen wegreißt.
  • Die digitale Entgiftung hat nicht funktioniert. Das Beste, was ich machen kann? Einschränken, soweit wie möglich, persönliche Informationen nur an Freunde & Familie, banales und beliebiges kann auch weitere Kreise ziehen. 
  • Und Briefe an die Familie und engste Freunde wieder auf Papier und mit der Post.

03.03.2019

Spielen


Arbeiten



Während das Feld meiner Produktivtools und Apps abgesteckt ist und kaum noch verändert wird, probiere ich von Zeit zu Zeit gerne andere Tools aus um zu sehen, ob sie meinen Arbeitsprozess beeinflussen könnten.
Meine Produktivtools, die ich zum Schreiben meiner Manuskripte verwende, und zur Bewältigung des Alltags:
- Papyrus Autor (Romane schreiben)
- Microsoft Office 2016 (Word, Excel, Powerpoint für berufliches und das gemeinsame Arbeiten an Manuskripten mit Verlag und Lektor
- Todoist (Planung, Tasks, Listen)
- Dropbox Paper (Brainstorming, Entwürfe, Konzepte, Notizen)
- Dropbox (für alles, das aktuell ist und ich auch auf dem Tablet und dem Smartphone haben möchte (Projekte, Reiseunterlagen, Kopien von einigen Dokumenten)
- Offline verwende ich Moleskine A5 Notizbücher liniert, für das Erfassen allererster Ideen, Reiseimpressionen und all dem, was ich nicht für geeignet erachte, in irgendeiner Weise elektronisch verfügbar zu sein.

Spielen



Weil mich das Schreiben an und für sich interessiert, weil es für mich nicht nur ein pragmatischer, sondern vor allem auch ein sinnlicher und schöpferischer Akt ist, sehe ich mir gerne immer wieder andere Tools an, mit denen man in einem angenehmen Umfeld Text erfassen kann.
Als ich noch ein iPad Air hatte, war ich sehr angetan von der App Ulysses, die es leider nur für das Apple-Universum gibt. Es handelt sich dabei um einen Markdown-Editor, in dem man Texte in Projekten organisieren kann; eine leichte, elegante und sehr schöne App.
Für Windows und Android habe ich unterschiedliche Apps und Programme ausprobiert und dabei vor allem auf folgendes geachtet:
- Ablenkungsfreies Schreiben
- Leicht
- Elegant
- Cloudtauglich
- Syntaxhervorhebung

Zwei Schreib-Apps habe ich nur recht kurz genutzt, und deren Lizenzen liegen quasi ungenutzt in meinem Archiv: Ommwriter und ZenWriter. Optisch sehr hübsch; beide. Aber im Grunde genommen nur Larifari. Ommwriter eignet sich überhaupt nicht für Texte, die länger sind als Sinnsprüche und kurze Gedichte, und der ZenWriter hat mit dem letzten Update unter der Haube alles geändert, so dass die Texte, die man erfasst, in der ZenWriter eigenen Sphäre gefangen, und nur über eine Exportfunktion befreit werden können, die HTML und PDF Dateien erzeugt.
Weil ich es gerne wirklich simpel mag, verwende ich derzeit den IA-Writer. Das ist ein reiner Markdown-Editor, der im Grunde genommen Textdateien erzeugt, die mit Symbolen angereichert wird, die den Text formatieren. Überschriften, H1, H2, H3, fett, kursiv, Aufzählungen. Es geht noch wesentlich mehr, brauche ich aber nicht für Texte.

Wenn ich meine Romane mit Papyrus Autor schreibe und Notizen und all das Zeugs in Dropbox Paper erstelle, wozu brauche ich dann noch einen Editor?
Weil ich gerne auch am Tablet schreibe, und der IA-Writer unmittelbarer ist: aufmachen und schreiben. Reine Textdateien flutschen schneller bei der Synchronisation und sind weniger fehleranfällig. Textdateien kann jedes Device lesen, man muss nur die Endung .md in .txt ändern.
Bis jetzt habe ich keinen besseren Editor gefunden. Ja, ich habe auch Write! und Typora getestet, konnte mich aber mit beiden nicht anfreunden.

Was ich auch nach einigen halbwegs enthusiastischen Monaten wieder aufgegeben habe, ist Online Tagebuch zu führen. Dazu habe ich mit DayOne und Diaro herumgetan, die, wenn man das mag, sowohl sehr schön designed sind und viele Funktionen haben. Die existenzielle Frage für mich war nach einiger Zeit heiteren Dahinschreibens: Welches Interesse kann ich daran haben, meine intimsten Gedanken, Fantasien, alltägliche Banalitäten, Wortspiele und Unsinn mehr oder weniger öffentlich zugänglich zu machen? Gefiltert landen diese Sachen ja eh in meinen Romanen, Reiseberichten und im Blog. Und was geht es die Welt an, was für ein verkorkster Kerl ich bin?
Das schmutzige, kranke Zeugs landet dann doch wieder in den kleinen Moleskines.

Der Tod eines Buches

Bücher können sterben. Das ist natürlich ein schauerromantischer Denkansatz, aber ja, ich glaube, dass Bücher sterben können. Damit meine...