Direkt zum Hauptbereich

Ablenkungsfreies schreiben


Vielleicht waren Schriftsteller früher stets auf der Suche nach dem besten Papier, der besten Tinte, der Schreibmaschine mit dem angenehmsten Anschlag oder schönsten Schriftbild - heute kann man als Schriftsteller herrlich die Schreibarbeit vor sich herschieben, in dem man ständig nach neuen Schreibapps sucht. Wobei ich ganz gerne zwischen Produktivtools unterscheide wie zB. Textmaker, Scrivener, Ulysses, Papyrus Autor, und den fancy Apps wie Ommwriter oder Zenwriter; letzterer hat bei mir einen Stein im Brett.

Ich hatte Zenwriter schon mal vor etwa fünf Jahren und ich benutzte die App für das Verfassen von Rohversionen. Der Vorteil war, dass man in der App festlegen konnte, wo die Dateien -und in welchem Format sie gespeichert werden.
ZenWriter ist eine Distraction-free Writing App. Das "Distraction Free" meint entweder, dass eine App nicht mehr kann, als Text zu verfassen, oder dass alle Funktionen zur Verwaltung des Textes gut versteckt und nur über Kontextmenüs oder versteckten Menüs via Mousevover verfügbar sind.

In seiner neuen Version wurde ZenWriter sowohl innen wie auch außen komplett umgekrempelt, was zumindest bei der reinen Außenansicht, also der Schreibumgebung sehr elegant und edel anmutet. Die Änderungen unter der Haube nehme ich jetzt mal so hin, finde aber, dass sie für die Benutzbarkeit drei Schritte zurück, oder in die falsche Richtung sind.
Vor dieser Version also war die frühere Version von ZenWriter eine App, die Dateien verwaltete, die in Ordnern und in Dateiformaten abgelegt waren, die man beliebig verschieben, austauschen und mit anderen Programmen weiter bearbeiten konnte. Das Hauptformat war *.rtf. Abgesehen davon konnte man bei der Installation des Programms - wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, festlegen, wohin das Programm installiert wird.

Das ist jetzt alles anders und nicht unbedingt besser. Das dicke Plus bleibt die wunderschöne, inspirierende Oberfläche, das stimmige Gesamtbild. Aber während so ziemlich jeder, der heute Apps und Programme herstellt, darauf achtet, nach möglichst allen Seiten verbindbar zu sein, durch gemeinsame Dateiformate, Export- und Importfunktionen, cloudbasierte Dateispeicherung, geht man bei Beenokle einen ganz anderen Weg und schließt ZenWriter hermetisch ab.

Die Installation verläuft ohne Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen. ZenWriter legt sich dann auch gar nicht in eines der üblichen Windows Verzeichnisse wie: C:\Program Files oder C:\Program Files (x86), wo man es eventuell herausfischen könnte, um zu versuchen, es auf einem USB-Stick in Betrieb zu nehmen. Nein, es installiert sich in C:\Users\pna\AppData\Local\Programs\zen-writer, und speichert alles in Datenbankstrukturen, die dann hier liegen: %APPDATA%\ZenWriter, %LOCALAPPDATA%\ZenWriter. Man kann den Text dann nicht einmal direkt per copy &paste schnell mal als Plaintext irgendwohin kopieren, sondern muss die Exportfunktion nutzen, de ZenWriter anbietet, und da gibts zur Auswahl nur HTML und PDF. Und obschon der HTML-Export recht hübsch ist, ist mir das einfach zu wenig.

Andererseits, folgt man der Direktive des Schriftstellers Andreas Eschbach, dann gehört einem, auch in Bezug auf Datenverarbeitung, nur, was man bei sich hat. Auf dem PC oder dem Apple. Das Ablegen der erzeugten Dateien in Datenbanken, die im System relativ versteckt sind, bekommt da seinen ganz eigenen Charme.

Für Rohentwürfe bevorzuge ich ja, wenn ich nicht gerade eine der oben genannten Produktivtools nutze, TXT oder RTF als Dateiformat, weil man damit eine Ausgangsbasis hat, den Text überall anders weiter zu verwursten.

Und daraus ergibt sich meine Wunschliste an die Freunde von @beenokle:

  • Macht den ZenWriter portabel
  • Bietet mehr Exportformate
  • Kehrt zurück zur betriebssystembasierten Dateiverwaltung. Das monolithische Einschließen der Dateien in Datenbanken ist sowas von 1980  
Danke :-)

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Reisen & Schreiben. Reiseschriftsteller

Die Stories, mit denen die Firma Moleskine ihre Notizbücher bewarb, waren einerseits um Ernest Hemingway gerankt, der angeblich in seiner Zet in Paris in Cafés saß und dort die kleinen, schwarzen Notizbücher voll schrieb, und andererseits um Bruce Chatwin, einem Reiseschriftsteller, der seine Impressionen ebenfalls in diese Notizbücher schrieb.

Beides ist Legende und gut erfunden, um dem Käufer und Inhaber eines Moleskine-Notizbuches ein bestimmtes Lebensgefühl mitzugeben. Der ganze Web-Auftritt von Moleskine ist darauf ausgelegt, das Alte, Handschriftliche, das Individuelle in das modern-urbane einzupflegen.

Würde ich Reiseberichte schreiben (hab ich doch schon, aber die sind irgendwo verschüttet, furchtbar subjektiv und es geht nur um Kuba, Kroatien, Gran Canaria, Rumänien ...), würde ich heute kein Moleskine Notizbuch benutzen oder irgend ein anderes, sondern meinen Laptop oder das Tablet mit einer bestimmten App. Für Reiseberichte und (Reise)Tagebücher bieten sch vor allem DayoneA…

Notizen, Notizen

So, wie ist denn das nun mit den Notizen, bevor, während und nachdem man einen Roman geschrieben hat?
Ich gebe zu, ich bin, was meine Notizen betrifft, chaotisch und hundsmiserabel organisiert. In den letzten Jahren versuchte ich, meine Notizen mit diversen Apps unter Kontrolle zu bringen. In Ordnern und Unterordnern, mit #hashtags und anderen Sortierungen. Schließlich sah ich, dass ich mit der Organisation der Notizen mehr befasst war, als mit dem Verfassen von Einträgen.

Während ich mit der Idee liebäugelte, meine Notizen nur noch handschriftlich niederzuschreiben, befasste ich mich mit Webseiten und Blogs, die sich mit dem Lifestyle rund um Notizbücher befasste, weil Notizen schreiben nicht nur der rein pragmatischer Akt ist, irgendetwas irgendwo zu erfassen, sondern auch ein sinnliches Erlebnis, und stolperte ich über das Bulletjournal. Abgesehen vom stimmigen Design der Website, die mir gut gefällt, erschreckte mich, um was es bei Bulletjournal geht.

Es ist ein simples Notizbuch,…