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Mit der Hand schreiben - Teil 1

Ehrlich, ich würde gerne mit der Hand schreiben. Mein Handicap ist meine Faulheit und meine Wahnvorstellung, von allen Geräten und immer von Geräten auf alle Informationen zugreifen zu wollen.
Mit der Hand zu schreiben, hätte einige wirklich nicht von der Hand zu weisende Vorteile:
  • Man verlernt nicht mit der Hand zu schreiben
  • Man schafft physikalische Archive, die man in Schuhkartons stapeln kann
  • Man ändert den Lebensstil ein wenig
  • Und im Café halten sie einen für einen Intellektuellen
Ich glaube schon, dass die Langsamkeit des Schreibens mit der Hand auch dazu führt, dass man genauer darüber nachdenkt, was man schreibt, und ob es überhaupt wert ist, notiert zu werden.
Tools machen mich zum Sammler - ich weiß ja nicht, wie's Euch so damit geht, aber z. B. Evernote flüstert mir dauernd ins Ohr: "Speichere dies, clippe das, notiere das; nicht weil Du es brauchst, sondern weil es so schön ist, mit mir zu arbeiten."
Ich hatte früher, also so vor sieben oder acht Jahren eine Phase, da kaufte ich für die Reisen nach Kuba Moleskine Notizbücher. Durch geschicktes Marketing hat es dieser Brand geschafft, sich als das Notizbuch der Schriftsteller, der Kreativen und der Reiseschriftsteller zu etablieren. Die Webseite des Herstellers ist mittlerweile ganz schön gewachsen und führt den Besucher in ein eigenes Universum der Kreativität, des Stils und Lebensgefühls. Schaut Euch dort mal um: https://at.moleskine.com/dehttps://at.moleskine.com/de

Ein anderer Herstellerhttps://fieldnotesbrand.com, diesmal nicht aus Europa, sondern aus den USA, knüpft mit seinen Produkten an das Lebensgefühl der Pionierzeit an. Das Produktuniversum ist mehr instagramable. Ich würde wirklich gerne einmal so ein Dreierpaket von diesem Hersteller kaufen, aber eine Stimme sagt mir: Kauf nur. Du schreibst wahrscheinlich gerade einmal Deinen Namen rein, die Anschrift und auf die erste Seite "Hallo Welt". Und dann vergammelt dieses aus den USA importierte Produkt in Deiner Klumpertlade vor sich hin und stirbt.
Ja, ich müsste meine Arbeitsweise umstellen, und zuerst einmal hinterfragen, ob ich wirklich alle Notizen zu jeder Zeit überall zur Hand brauche. Dann müsste ich eine Trendwende schaffen, von der reinen Quantität der Notizen, zu denen mich die Apps verführen, zu mehr Qualität der Notizen. Jedes Mal, wenn ich in Evernote stöbere, frage ich mich: Brauche ich diese Notiz? Und diese? Und die da? Und wenn ich die alle nicht brauche, wozu habe ich dann diese verdammte Evernote Premium Lizenz bezahlt? Ich kann doch nicht ein Jahresabo abschließen und nach zwei Monaten sagen: Scheiß doch der Hund drauf!
Das geht doch nicht!

Ich könnte es versuchen. Evernote ausmisten und dann eine Trennung der Notizen vornehmen: Was ich an faktischen Informationen brauche, bleibt in Evernote (Adressen, Fahrpläne, Reiserouten, Lizenzen, Ordinationszeiten meines Hausarztes, Ihr wisst, was ich meine.
Und in das Notizbuch aus Papier kommt all das andere Zeugs: Ideen für Kurzgeschichten und Romane, Skizzen von Charakteren, Impressionen der Gegend, in der ich mich gerade befinde. So hätte die Lizenz für Evernote (viel zu teuer! *matschker*) ihren Sinn nicht verloren und was weiß ich, vielleicht entrümpelt diese Herangehensweise mein von Ablenkungen verstopftes Hirn?

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