20.02.2019

Notizen, Notizen


So, wie ist denn das nun mit den Notizen, bevor, während und nachdem man einen Roman geschrieben hat?
Ich gebe zu, ich bin, was meine Notizen betrifft, chaotisch und hundsmiserabel organisiert. In den letzten Jahren versuchte ich, meine Notizen mit diversen Apps unter Kontrolle zu bringen. In Ordnern und Unterordnern, mit #hashtags und anderen Sortierungen. Schließlich sah ich, dass ich mit der Organisation der Notizen mehr befasst war, als mit dem Verfassen von Einträgen.

Während ich mit der Idee liebäugelte, meine Notizen nur noch handschriftlich niederzuschreiben, befasste ich mich mit Webseiten und Blogs, die sich mit dem Lifestyle rund um Notizbücher befasste, weil Notizen schreiben nicht nur der rein pragmatischer Akt ist, irgendetwas irgendwo zu erfassen, sondern auch ein sinnliches Erlebnis, und stolperte ich über das Bulletjournal. Abgesehen vom stimmigen Design der Website, die mir gut gefällt, erschreckte mich, um was es bei Bulletjournal geht.

Es ist ein simples Notizbuch, blank, mit vorgegebenen Punkten, um - sagen wir mal - Aufgaben zu erfassen. Begleitet wird diese simple Idee von einem im Handel erhältlichen Buch, in dem die Bulletjournal-Methode erläutert wird. Ein Art Lebenshelfer für Desorganisierte, ihr Leben unter Kontrolle zu bringen, in dem man das Bulletjournal so nutzt, wie dessen Entwickler sich das ausgedacht hat.
Quasi eine App aus Papier, deren Handhabung man erlernen kann, in dem man die Anleitung als Buch kauft. Auch nicht schlecht.

Und da war sie ja wieder, die Überorganisation, Schreck lass nach! Gerade überarbeite ich im ersten Korrekturlauf meinen neuen Roman CODA, und vor allem im zweiten Teil habe ich sehr umfangreiche Änderungen vor. Da muss ich ganze Kapitel neu schreiben und *zig Seiten rausschmeißen. Um mir die Ideen zum Umschreiben zu notieren, verwende ich jetzt einfach einen linierten Moleskine, und schreib dort so rein, wie es mir einfällt. Ein Ideenblock nach dem anderen, die Blöcke durch einen --> gekennzeichnet. Und aus.

Die Sehnsucht, mich aus dem App-Gestrüpp zu befreien, ist groß, die Sirenengesänge, die mich halten wollen, wohlklingend und laut. Aber irgendwie taugt mir das Schreiben ins Notizbuch. Ist irgendwie (n)erdiger :-)

Und wie halte ich es nun mit den Notizen?
Da ich zum ersten Mal einen Roman überarbeite, dessen begleitenden Notizen ich in ein Notizbuch schreibe, weiß ich nicht, wie es in Zukunft wird. Zu App-Zeiten kam alles zusammen in einen Ordner auf den PC, wurde gezippt, eingetütet und archiviert. Ganz einfach.

Add 1: Woran ich auf jeden Fall arbeiten muss, ist meine Handschrift. Furchtbar, einfach furchtbar.

Add 2: Nur weil es in Gesprächen aufgetaucht ist. Wie sieht nun mein Prozess aus, wenn ich einen Roman schreibe?

Ungefähr so:
  • Ich gehe ziemlich lange mit einer Idee schwanger, und da ich immer an irgendetwas arbeite, drängt mich die Schwangerschaft der neuen Idee, das aktuelle Projekt verdammt noch mal fertigzustellen
  • Rohfassung erstelle ich mit Papyrus Autor (derzeit Version 9), die Überarbeitung nehme ich ebenfalls in Papyrus vor. Dabei nutze ich aber nicht die Vorlagen "Muss noch geschehen" und "Beim Überarbeiten beachten). Früher machte ich Notizen in Evernote. Jetzt habe ich das Notizbuch neben der Tastatur liegen und schreibe mir (zunächst nur einmal) Ideen auf, Auffälligkeiten, Szenen, wo die Erzählreihenfolge nicht passt, wo namen verwechselt wurden, das grobe Zeugs eben. Im aktuellen Fall notiere ich Szenen, die ich samt und sonders killen will und Ideen für Szenen und Kapitel, die ich noch schreiben muss.
  • All das geschieht zu 90% auf dem Laptop, während ich im Wohnzimmer auf der Couch sitze und die Beine ausstrecke. Das Drumherum stört mich wenig, vermutlich so wenig, wie sich Kaffeehausliteraten vom Geklapper und Zischen und Gemurmel im Kaffeehaus stören lassen.
  • Dann kommt der Schritt, in dem ich den Roman nach MOBI exportiere, auf  den Kindle lade und versuche, die Geschichte mit dem kalten Auge des Fremden zu lesen. Auch dabei (soweit bin ich erst in ein paar Wochen) werde ich das Notizbuch dabei haben, und weitere Überlegungen notieren.
  • Dann überarbeite ich den Text ein drittes Mal, exportiere ihn für den Verlag, archiviere die vorangegangenen Versionen als Zipfile und das verstaue ich sowohl auf meiner externen Festplatte wie auch in der Cloud - you never know ...
Und das war es dann auch schon. Eh simpel. Zuerst den Roman schreiben. Nicht schnell, eher genüsslich. Pause. Dann den groben Dreck rausputzen. Pause. Exportieren, kalt lesen, noch mehr Dreck raus, die Kanten feilen, ein paar Kanten drin lassen, fürs verschicken vorbereiten und das Arbeitsmaterial archivieren.
Wie ich mit den vollgeschriebenen Notizbüchern umgehen werde, weiß ich noch nicht, vermute aber, die werden im Bücherregal einen eigenen Platz finden. Falls ich mal nostalgisch werde, Wein trinke und mir für Literaturromantik das Teelicht beim Kacken nicht genügt.


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