17.03.2019

Der Tod eines Buches


Bücher können sterben. Das ist natürlich ein schauerromantischer Denkansatz, aber ja, ich glaube, dass Bücher sterben können. Damit meine ich gedruckte Bücher, die in den Handel kommen, die sich nicht besonders gut verkaufen, so dass der ersten Auflage keine zweite Auflage folgt, und das Buch vom Markt verschwindet. Stimmt schon, irgendjemand hat es irgendwo, in einem Regal, in einer Truhe, in einer Pappschachtel auf dem Dachboden. Und in irgendeinem Antiquariat kann man es auch vielleicht noch finden. In einem Secondhandshop.
Das ist das Abenteuerliche an gedruckten Büchern: Sie leben nicht ewig, sind nicht für immer verfügbar, doch sie wirken nach. Sie beeinflussen Schriftsteller, sie beeinflussen Leser, die nach mehr von diesem Schriftsteller suchen, und, weil eben nicht alles jederzeit und überall verfügbar ist, bekommen solche verschollenen Bücher einen geheimnisvollen Nimbus.
Irgendwann findet man durch Zufall in irgendeinem Laden, auf dem Flohmarkt, auf einem Dachboden, ein längst verschollen geglaubtes Buch. Dieses Gefühl, etwas Rares in Händen zu halten, etwas von alt gewordener Seltenheit, das ist ein bewegendes Gefühl, dem man sich voll und ganz verschließt, wenn man Bücher nur als E-Books kauft und nur online bestellt.

Deswegen mein kleiner Aufruf: Kommt aus der Komfortzone, klappt den Rechner zu, legt das Smartphone weg, steckt Euch ein paar Euros ein und geht - flaniert in die Stadt und besucht Buchläden, Antiquariate, Secondhandshops. Man kann dort so viele Schätze entdecken, die in den großen Online-Shops gar nicht (mehr) gelistet sind. Wenn man selbst suchen geht, dann schüttelt man auch das Gefühl ab, literarisch immer auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln, vom Markt umgarnt zu werden. Buchhandlungen und Antiquariate haben etwas von zivilem Ungehorsam, nicht gegen den Staat sondern gegen den Zeitgeist, dass alles zu jeder Zeit überall für jeden verfügbar sein muss, denn das macht alles Verfügbare beliebig und austauschbar.


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