05.03.2019

Digital Detox Desaster


Leute, das mit dem Digital-Detox klappt nicht. Und das macht mich nicht stolz, eher mürbe.
Wie ich schon mal in diesem Blog schrieb, strebe ich eine Lösung aus der e-communication an; ein anderer begriff fällt mir nicht ein, um folgende Services, Solutions und Dienstleistungen in einem Begriff zusammenzufassen:
  • E-Mail
  • Taskplaner (Todoist)
  • Soziale Medien (Facebook, Twitter, Instagram)
  • Online Notizen
  • Online Recherche
  • Reiseunterstützende Solutions: Google Maps, Google Trips, Tripit, ...
  • Online Storage: eben auch für Reisedokumente, die ich am Smartphone dabei haben will
  • Website, Blog: um als Schriftsteller präsent zu sein
  • Bankgeschäfte, Finanzen
Der Verdacht, der mich die ganze Zeit begleitet, wenn ich all diese Services nutze, ist der, dass sie dazu verleiten, sich mehr mit ihnen selbst zu befassen als damit, wofür sie eigentlich gedacht sind. Rein theoretisch müsste ich ersatzlos auf folgendes verzichten können:
  • Soziale Medien
  • Online Notizen
  • E-Mail

Wobei E-Mail leider in zu vielen anderen Lösungen verankert ist, um ersatzlos gestrichen werden zu können. Tatsächlich klappt asynchrone Kommunikation inzwischen auch mit Whatsapp recht gut, wenn man sich einmal davon verabschiedet hat, dass die elektronische nachfolge vom Briefpapier die E-Mail sein muss.

Der Zwiespalt für mich ist, dass es einerseits nicht schaden kann, als Autor auch präsent zu sein, d.h., ich biete gerne dem Leser die Möglichkeit, ein wenig den Vorhang zu lupfen, um hinter die Kulissen zu bieten, aber ich möchte nicht allzusehr erfassbar sein. Im Film "The Kings Men" wird sinngemäß der Spruch geäußert, ein Gentleman sei nur zwei mal in seinem Leben in der Zeitung: Zu seiner Vermählung und in der Todesanzeige.
Ich würde das auch gerne so halten, sehe mich aber nicht in der Lage, mich komplett auszuklinken. Was ich stattdessen als leichter zu erreichendes Ziel erkannt habe, ist, an der Sichtbarkeit in den sozialen Medien zu schrauben. Okay, ich twittere auch wieder, nutze die Plattform aber nur, um neue Blogeinträge oder Bonmots meiner Befindlichkeiten rauszublasen. Mir folgen 4 Leute - derzeit. Da ist die Breitenwirksamkeit wirklich sehr überschaubar :-)
Instagram habe ich komplett aufgegeben, obwohl ich es auch hätte einschränken können wie zB. Facebook, wo ich die Sichtbarkeit meiner Beiträge auf die Handvoll Freunde eingeschränkt habe, die ich entweder persönlich kenne, oder durch meine Arbeit als Schriftsteller. Ein Grund, warum ich Instagram aufgegeben habe, ist, dass Instagram ein Nest volle schöner Lügen ist. Beispiel? ich suche über den #hashtag #Porec nach Fotos der istrischen Kleinstadt. was ich finde, sind schmollmundige Frauen in wehenden Kleidern mit Sektgläsern in der Hand, die vor der Kulisse der Stadt posieren, die im Hintergrund im Bokeh-Rausch vergeht. Natürlich hätte ich Instagram auf meine Freunde einschränken können (was ich eine Zeit lange auch gemacht habe), aber sobald man #hashtags verwendet, nach denen andere Leute suchen, krieg man eine Anfrage nach der anderen und ist schon wieder mitten drin im Unfug.

Was mich am Onlineleben auch noch stört, ist meine durch meinen Job bedingte, sehr leise Paranoia in Sachen Sicherheit. Zwei Sachen habe ich da gelernt: Sicherheit ist nicht bequem. Und am sichersten vor fremden Zugriff sind zerstörte Daten. Da ich meine Daten ja nun nicht demolieren will, hadere ich mit dem Zeitaufwand in Sachen Sicherheit. Das ist ein Haftlzwickerjob, als ob man dutzende Glasmurmeln daran hindern muss, über die Tischkante zu rollen.


Mein Conclusio aus all dem

  • Es ist nicht gut, online präsent zu sein. Man muss sehr genau darauf achten, zu welchen Themen man sich wie äußert. Gerade in Zeiten dieser Regierung (AT) scheint es mir unangemessen, sich freiwillig und ohne Not zu exponieren.
  • Es ist äußerst fragwürdig, ob all die Produktivitätstools mich wirklich produktiver machen, oder ob es nicht vielmehr so ist, dass der Umgang mit den Tools selbst nicht eher einen Spieltrieb befriedigt, als reine und notwendige Produktivität zu unterstützen.
  • Da bestimmte Prozesse und Lösungen offline fast nicht mehr denkbar sind (Reisebuchungen, Finanzen, etc ...) ist ein erheblicher Aufwand in die Sicherheit zu stecken. Nicht, dass jemand an mir reich werden könnte, aber ich würde mir selbst in den Arsch beißen, wenn mir einer das Wenige, das ich habe, auch noch unter den Füßen wegreißt.
  • Die digitale Entgiftung hat nicht funktioniert. Das Beste, was ich machen kann? Einschränken, soweit wie möglich, persönliche Informationen nur an Freunde & Familie, banales und beliebiges kann auch weitere Kreise ziehen. 
  • Und Briefe an die Familie und engste Freunde wieder auf Papier und mit der Post.

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