16.03.2019

Ein paar Worte über Onlinesicherheit

Natürlich weiß inzwischen mehr oder weniger jeder, der das Internet nutzt, dass all der Kram, den wir uns reinziehen, nur deshalb gratis sein kann, weil wir mit unseren Daten zahlen. Oder sagen wir mal so: Mit unseren Daten zahlen sollen. Alle greifen Daten ab, im Fokus sind aber immer nur einige große Namen wie Google, Microsoft, Facebook.
Das Thema ist weder schwarz noch weiß, es hat unzählige Schattierungen. Was ich mir für mich und meine Daten denke ist: Was wird von wem wie abgegriffen, und will ich das? Und wenn ich das nicht will, was kann ich dagegen tun, ohne mir das Onlineleben zu verunmöglichen?


Früher hatte man ein Türschild an der Tür, und wenn man wohin kam, stellte man sich mit Namen und Beruf vor, gab eventuell noch den Familienstand bekannt, und wenn man die Menschen besser kannte, berichtete man über Freizeit und Beruf. Der Empfängerkreis war auf die Leute eingeschränkt, denen man sich persönlich mitteilte, und unkontrollierbar da, wo die Bassenatratscherei begann.
Heute kommen zu den persönlichen Daten auch noch technische Daten, und die Summe aus diesen Informationen ergibt ein recht aufschlussreiches Bild über den Mensch, der hier im Internet surft, sich in ein Forum einloggt, Twittereinträge schickt und auf Facebook seine Gedanken postet.
In Wirklichkeit ist es ganz einfach: Sag auf Twitter, in Facebook nichts, was Du nicht auch in einem Gespräch mit Fremden sagen würdest.Veröffentliche auf Instagram keine Fotos, die Du nicht in ein Fotoalbum kleben würdest. Schreib keine Tagebucheinträge auf Plattformen wie diaroapp.com oder dayoneapp.com, die Du nicht in ein Notizbuch aus Papier schreiben würdest, wenn sie beschänend wären, falls sich jemand gewaltsam Zutrit verschafft und unerlaubt in Deinen Notizen liest.

Ganz grundsätzlich sollte man, und damit meine ich auch mich selbst, dem Web so wenig Informationen wie möglich überlassen. Nicht jeden Schaß, der im Gedärm wird, veröffentlichen.
Das ist es ja, was das Web suggeriert und bietet: Jeder kann zu jeder Zeit alles was er will, frei von Kuratel, veröffentlichen. Meinungen, Kommentare, Gedanken, Gedichte, Romane, Essays, Kurzgeschichten, Schwachsinn und Unfug. Aus dieser Gegebenheit wurde für viele, die sich früher gar nicht oder kaum Gehör verschaffen konnten, ein Recht. Das Recht auf Meinungsfreiheit wurde für sie zum Recht, jederzeit und überall nicht nur eine Plattform zu haben, wo sie ihre Meinungen und Erinnerungen, Einschätzungen und Ängste veröffentlichen können, sondern auch ein Publikum.
Und daraus wird aus dieser Überzeugung eine Pflicht für "die anderen": Man hat nicht nur das Recht, in der Öffentlichkeit seine Mnung zu sagen, sondern "irgendwer" hat auch die Pflicht, die dafür notwendigen Technologien und Lösungen zur Verfügung zu stellen.
Die Unzahl an Meinungen, Gedanken, Träumen, Ängsten und so weiter, sagen denen, die sich dafür interessieren, die über die entsprechenden technischen Kenntnisse und Systeme verfügen, sehr viel über die Laune des Volkes - Tendenzen, Strömungen, Begierden. Natürlich wissen diese Leute aber auch, dass die im Internet veröffentlichte Meinung nicht der ganzen Wahrheit entspricht, weil ja nicht alle im Internet wirklich das schreiben, was sie wirklich denken: hier vermischt sich die Lust daran, sich mitzuteilen, mit der Lust, zu verwirren, zu provozieren, zu reizen.
All diese Diskussionen machen müde und erschöpfen mich, weil ich nach den Jahren, die ich damit vergeudet habe, mich zu beteiligen, entdeckt habe, dass sich die Gespräche unaufhörlich im Kreis drehen. Die immer gleichen Argumente, Strategien, Annahmen, Befürchtungen, vorgtragen mit der immer wieder durchsimmernden Altersweisheit und fieberhaften Wut.


Das Gefühl der Unsicherheit, das bleibt, wenn man sich oft und andauernd im Web herumtreibt, ist, dass im Hintergrund Services und Dienste arbeiten, die alle möglichen Informationen über den Nutzer zusammentragen. Das muss gar keinen niederträchtigen Grund haben. Es genügt schon, dass dies jemand macht, ohne zu fragen, ob man das überhaupt will.
Und dagegen kann man schon etwas tun.

  • Verwende einen Browser, der nicht im Hintergrund Daten an den Hersteller sendet, schon gar nicht, wenn die Verarbeitung von Daten zu Werbezwecken das Business des Browserherstellers ist. Ich empfehle brave.com, der auf Chromium aufsetzt und komplett entgoogelt wurde.
  • Verwende einen DNS Server, der Deine Such- und Verbindungsanfragen nicht vekauft, sondern vom Start weg verschlüsselt. Dafür empfehle ich 1.1.1.1.
  • Verwende nur verschlüsselte Verbindungen
  • Verwende einen Passwortmanager und für jeden Account ein komplexes, 8-12-stelliges Passwort. Da empfehle ich Dashlane.
  • Man muss sich nicht an dem Zitat aus "The kings men" orientieren, aber es im Hinterkopf zu haben, wenn man wieder einmal im Web öffentlich auftreten will, es kann aber auch nicht schaden: "Ein Gentleman ist nur zweimal im Leben in der Zeitung. Zu seiner Vermählung und in seiner Todesmeldung." 

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