19.04.2019

Digitaler Minimalismus und die Kultur

Der digitale Minimalismus bezieht sich nicht darauf, dass man voll und ganz auf Soziale Medien verzichtet, sondern wie man sie so nutzt, dass sie einen Mehrwert bieten und nicht die Zeit des Nutzers stehlen.
*Likes sind das neue Rauchen*, schreibt Cal Newport in seinem Buch Digitaler Minimalismus und bezieht sich darauf, dass neben der Hauptfunktion von Sozialen Medien, mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben, Tricks und Techniken verbaut wurden, die keinen Mehrwert für den User selbst darstellen, sondern ihn nur dazu animieren sollen, die entsprechende App länger zu nutzen. Das Weiterhanteln von News zu News erfolgt nach dem Belohnungsprinzip, das einerseits auf den aus der Psychologie bekannten Reiz der unerwarteten Belohnung aufsetzt, und andererseits auf die Lust nach Belohnung und sozialer Anerkennung andererseits.
Für mich verzahnen sich hier *Digital Detox* und Digitaler Minimalismus, sie verschränken sich zu einer Art Kultur, von der wir durch die Verführungsmechanismen der Sozialen Medien weggeführt werden, um in der Steinzeit anzudocken, wo unsere Bedürfnisse nach Anerkennung, Freundschaft und Belohnung ausgeprägt wurden.
Jemanden auf Instagram zu taggen oder ein Like zu hinterlassen, erfordert keine Arbeit, nicht einmal ein Nachdenken; es geschieht aus der Annahme heraus, wenn man liked, wird man zurück geliked, und das ist die Belohnung, auf die man hofft.
Die instagramable Welt ist eine Welt der Posen, Filter und gefälschten Wirklichkeiten, und das alles nur, um mühelos zu Geltung zu kommen.

Sich aus diesem Kreislauf zu befreien, ist schwer, denn wie gesagt: Likes sind das neue Rauchen, und die coolen Nerds ins Silicon Valley sind nichts anderes als Tabakpflanzer in T-Shirts, die Kindern Zigaretten verkaufen.
Die Frage, wie wir mit den Digitalen Medien umgehen, ist letztendlich auch eine Frage unserer Kultur. Wohin führt uns der große Spaß, das gegenseitige Bestätigen des Wohlgefühls, geliked zu werden? Und wie viel Autonomie kostet es uns, in dieser Feedbackschlaufe des gemochtwerdens festzuhängen?
Detox, bzw. Minimalismus bieten Möglichkeiten, sich aus dieser lebenszeitverschwendenden Angebote zu lösen, ohne auf ihren Kernnutzen zu verzichten.
Heißt: Man kann ruhig auf Facebook bleiben, man muss es nicht löschen. Minimalismus bedeutet hier, dass man den Freundeskreis einschränkt auf Menschen, die man wirklich kennt und auf Sites von Produkten, die einen wirklich interessieren. Man kann getrost durch die Freundesliste scrollen und die Abonnements deaktivieren. Man kann seinen Twitter-Account entrümpeln. Man kann sein Instagram-Profil entrümpeln und nicht öffentlich machen.
Es ist nicht die Menge an Followern, die man hat oder auch nicht, die den Sozialen Medien Sinn geben, sondern der Austausch mit Familie und Freunden - eine Erweiterung der Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben.
Es geht um den bewussten und sinnhaften Umgang mit Sozialen Medien und Apps und darum, Zeit zu gewinnen. Sich selbst an die Kandare zu nehmen und die Zeit, die man gewinnt, mit Tätigkeiten auffüllen, die Bedeutung haben: Familie, Freunde, Kinder, Hobbys.
Es ist kein Hobby, stundenlang durch die News auf Facebook zu scrollen, es ist vielmehr Hilflosigkeit und der Verlust der Autorität über das eigene Leben, die eigene Zeit.

Der Digital Detox meint an und für sich, ganz oder zeitlich limitiert, auf alle Online-Lösungen zu verzichten, speziell, was soziale Interaktion betrifft. Detox ist puritanischer und auch ein bisschen eitler, wie mir scheint, weil es zu dem Gedanken verführt, etwas Besonderes zu sein, weil man auf das verzichtet, was so vielen als unverzichtbar scheint. Es streichelt also der Eitelkeit, statt Laptop, Smartphone und Tablet, ein edles Notizbuch bei sich zu haben, in das man seine Gedanken, Pläne, Projekte und Aufgaben schreibt.

Digitaler Minimalismus findet bei mir auch in der Schriftstellerei statt, wenn ich mir statt der Eierlegenden Wollmilchsau eine App nehme, die mich zurück zum Wort führt.
Zumindest bilde ich mir ein, dass mich reine MD-Editoren wie Inspire Writer oder IA-Writer beim Schreiben durch ihre nüchterne Zurückhaltung weit mehr beim Schreiben unterstützen, als die sogenannten "Volllösungen".

Wen diese Thematik interessiert, empfehle ich die Bücher von Cal Newport.

18.04.2019

Im Wandel

Heute habe ich mir ein wenig mein eigenes Blog angesehen, vor allem, weil ich einen Weg gefunden habe, auf blogger.com die Bilder auf 100% zu setzen, so dass sie mit der Textbreite zusammenpassen. Und beim Durchblättern ist mir bewusst geworden, wie ich durch das Blog dokumentiere, wie ich mich zur Zeit neu zu orientieren versuche.
Da gehts nicht nur um die Apps, die ich verwende und Workflows, sondern auch um meine Versuche, meinen Zugang zur Online-Welt neu zu definieren.

Ehrlich, bei mir erfahrt Ihr keine endgültigen Lösungen, kein: So ist es. Ich bin dauernd dabei, meine Methoden zu hinterfragen, ebenso wie die Tools, die ich nutze.
Vor nicht all zu langer Zeit habe ich mich von Dropbox und Evernote getrennt, nur um sie knapp einen Monat später wieder zu installieren, weil ich a) Evernote auf Reisen schon gerne benutze und ich nichts Gleichwertiges gefunden habe und b) weil Dropbox für die Konstellationen von Apps, die ich nutze, am Kompatibelsten ist.

Wie schauts also derzeit in meiner Sphäre aus?

Das Schreiben klappt mit dem Markdown-Writer überraschend gut. Ich komme schneller in den Flow und schreibe länger durch. Um ehrlich zu sein, gefällt mir das Arbeiten in dieser ablenkunsgdfreien, leeren Umgebung sehr gut.

Und wie schauts offline aus? Da bin ich so unendlich wankelmütig. Von der Nützlichkeit her gefallen mir die kleinen Moleskine Notizbücher sehr gut, die mit dem harten Einband. Ich liebäugle auch mit dem Leuchtturm Notizbuch für das Bullet Journal, aber irgendwie schreckt mich der Preis ab.

Und so geht es bei mir hin und her, nichts ist fix und wenn ich so durch den Blog blättere, kann ich mir ein Grinsen nicht nicht verkneifen.  

Dieser stille Planet



Vor einigen Jahren, eigentlich vor vielen Jahren, habe ich mich mit der Idee befasst, eine andere Art von Dystopie zu verfassen - anders als die, die ich kenne. Zugegebenermaßen kenne ich nicht viele, aber ich war von dem Gedanken besessen, eine Geschichte, oder auch mehrere, zu schreiben, um vom Untergang der Menschheit zu berichten, die von Außerirdischen in Besitz genommen wurde.

Diese Idee ist nicht neu, und zum ersten mal begegnete sie mir in Don Siegels Verfilmung Die Dämonen (1956). Später gab es eine Neuverfilmung mit Donald Shutterland und weil das Thema abgespeist war und dann die großen Weltraumschlachten losgingen, interessierte mich das Thema irgendwie nicht mehr. Gott, ich war damals Teenager, da hatte ich es nicht so mit nachdenklichen Themen in Filmen. Was mir an der Neuverfilmung damals gut gefiel, war die unterschwellige, glitschige Obszönität der Geburt der Duplikate.

Später verfasste ich eine längere Kurzgeschichte mit dem Titel "Erinnerungen auf die Welt werfen", die im Sammelband Wo die verlorenen Worte sind im AAVAA-Verlag erschien und die sehr schöne Rezensionen, unter anderem in DerStandard, bekam. Noch ein Weilchen später versuchte ich, eine Novelle über Menschen zu schreiben, die vor dem außerirdischen Regen Zuflucht in einem sehr langen Autobahntunnel in Tirol finden, und dort über die Jahre eine ebenso frigide wie moralisch degenerierte Gesellschaft bilden, aus der ein paar Junge ausbrechen wollen. Status: abgebrochen.
Dann versuchte ich mich an einem Roman, in dem ich die Vorgeschichte zu der Erzählung im AAVAA-Band erzählen wollte und scheiterte abermals - diesmal nach rund dreihundert Seiten.

Dann war lange wieder Ruhe, allerdings ließ mich die Idee nicht los. Es waren die zwei Hauptträger der Geschichte, die mich faszinierten:

  • Die gewaltfreie Übernahme der Welt, keine Eroberung, eher eine Besiedelung. So als würde ein Bauherr mehr oder weniger zur Kenntnis nehmen, dass er das Fundament seines Hauses in ein Erdloch mit einem Ameisenbau gießt.
  • Was das mit den Menschen anrichtet und wie sie sich verhalten, wenn sie sich an eine Welt gewöhnen, die ebenso dionysisch ist, wie faschistisch.
Was dabei herauskam, ist nun der etwa einhundertseitige Kurzroman Dieser stille Planet, in dem ich die Geschichte der Besiedelung der Erde durch außerirdische Lebensformen, die man am ehesten mit Blauen Galeeren (oder Portugiesische Galeere) vergleichen könnte, aus der Perspektive zweier Jungs berichte, die zum Zeitpunkt der Übernahme unserer Welt in den Bergen von Tirol (Anton Renk Haus) waren. Oberhalb von zweitausend Meter erstarren die Glasspinnen, wie sie auch genannt werden, und können nicht überleben.

Mit diesem Roman lege ich meinen - in seiner Konsequent - vielleicht schaurigsten Roman vor. Und wie das bei mir nun mal so ist, sind die größten und schlimmsten Bestien der Geschichte nicht die Außerirdischen, sondern opportunistische Egoisten, die sich den Fremden andienen, um ihre Sehnsüchte zu stillen.
Es gibt im Buch enge Bezüge zu Saló oder Die 120 Tage von Sodom. Ähnlich wie in meiner Kurzgeschichte Mistah Zumbee bricht auch hier die Gewalt relativ früh aus; wie ich hoffe so eng in die Handlung verwoben, dass sie "natürlich" wirkt und nicht aufgesetzt wegen des dramatischen Effekts. 

Die erste Überarbeitungsrunde habe ich abgeschlossen und einige Fehler entdeckt, die ich nun in der zweiten Überarbeitung korrigieren werde.

Eins kann ich jedenfalls schon mal sagen: Wer den Roman gelesen hat, wird den neunten Stock des Wiener AKH nicht mehr ohne Schweißausbrüche und Angstzustände betreten können - das ist mal amtlich. 

10.04.2019

Markdown - und wieso das jetzt?

Markdown? Echt jetzt?

Meinen ersten Kontakt mit Markdown hatte ich durch Ulysses, das es seit geraumer Zeit für das Apple-Universum gibt.
Der Gedanke dahinter war und ist, einem Autoren eine möglichst ablenkungsfreie Arbeitsumgebung zu bieten, in der er durch möglichst wenige Funktionen abgelenkt wird. Was auf einem Tablet ja durchaus sinnvoll ist, oder auf einer stylischen, glatten Apple-Oberfläche. Vor allem ist es ein Paradigmenwechsel, der mir altem Entrümpelungsfan sehr gut gefiel. Zugunsten leichter Bedienbarkeit und schlankem Design verzichtet man auf Hunderte, vielleicht sogar Tausende Funktionen, die allein durch die Möglichkeit, sie zu nutzen, vom Eigentlichen ablenken, nämlich vom Schreiben.

Was braucht man als Schriftsteller, um am PC einen Roman zu verfassen?

Ich brauche ein Programm, in dem ich ohne Einarbeitungszeit und kurzer Lernkurve sofort drauflos schreiben kann. Ich brauche ein Programm, das ich während des Schreibens vergessen kann, nur ich, die Oberfläche und der Text.
Beim Schreiben brauche ich nicht mehr als das, was mir Markdown bietet - und selbst davon brauche ich nur einen Bruchteil.

Was brauche ich? Drei Formen der Überschrift - oder vier. Okay, vier.
Buchtitel, Teil, Kapitel, Szene
Dann brauche ich noch fett und kursiv und eine Möglichkeit, Text hervorzuheben (Zitat), und schon bin ich fein raus. Bei mir sieht diese Umgebung dann so aus:


Was noch? Ja, ich will vom Laptop und vom PC drauf zugreifen können. Und zwar so, dass nur ich das kann. Es wäre also fein, ein Programm zu haben, dass meine Arbeit verschlüsselt bei einem Cloudanbieter speichert, und mir die Möglichkeit bietet, meine Arbeitsblätter zu managen. Egal ob das OneDrive ist, Box, Dropbox, Google Drive oder was auch immer ...

Ich will mich nicht mit Layout und Trödeln und Quasten aufhalten, ich will einfach schreiben, wissen, dass meine Textarbeit sicher ist und ich will zur gegebenen Zeit exportieren können, um die Arbeit an einen Verleger schicken zu können, in welchem Format der Verleger das auch immer haben will.

Im Apple-Universum kann das Ulysses. Im Windows-Universum kann das Inspire Writer.

Falls ich bei Euch Interesse an Markdown geweckt habe, hier gehts zu einer guten Übersicht:
https://www.markdownguide.org/cheat-sheet/

und hier zum wohl umfassendsten Cheat-Sheet:
https://github.com/adam-p/markdown-here/wiki/Markdown-Cheatsheet


08.04.2019

Inspire Writer


Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick

In früheren Blogposts habe ich schon öfter erwähnt, dass ich meinen Workflow ständig hinterfrage - besonders in Zeiten, in denen ich gerade aus der Arbeit an einem Rohmanuskript draußen bin und mir eine Atempause gönne, bevor ich mich an die Überarbeitung mache.

Seitdem ich (bis vor etwa eineinhalb Jahren) auf dem iPad die App Ulysses entdeckte, hatte sich die Vorstellung, ein leichtgewichtiges Programm zu nutzen, das nicht mehr bietet als reinen Text, bzw. Markdown, mit Projektverwaltung, nachhaltig bei mir eingenistet.
Ich hatte schon länger das Gefühl, dass zumindest für mich die Zeit der umfangreichen, eierlegenden Wollmilchsäue alá Papyrus Autor, Scrivener oder Patchwork vorbei war. Ein Blick auf die Art und Weise, wie ich Texte erfasse und bearbeite, zeigt mir, dass ich oft meinen Workflow, oder sagen wir mal, die Art & Weise, wie ich an einen Roman herangehe, an das Programm anpasse, das ich zum Verfassen nutze.
Der Effekt war: Je komplexer und mächtiger ein Programm ist, desto komplexer ging ich an die Arbeit, erfasste Notizen, legte Charakterblätter an, arbeitete mit Tags und Timelines und und und ...

Das hat meiner Schreibarbeit nicht unbedingt gut getan, eher sogar geschadet.

Die Auswahl an guten Markdown-Editoren für Windows ist unüberschaubar und vielfältig. Allerdings habe ich unter all den Editoren keinen gefunden, der mich auf Anhieb so für sich einnehmen konnte, wie Inspire Writer.

Umso glücklicher bin ich, dass ich diese App entdeckt habe; einen Markdown Editor, der ziemlich genau das kann, was ich will, und für mich eine komplette Scheibumgebung bietet.


Inspire Writer ist derzeit nur für die Windows Plattform verfügbar und wurde bislang in folgende Sprachen lokalisiert: Englisch, Italienisch, Rumänisch, Polnisch, Japanisch und Chinesisch. Und weil mir das Programm so taugt, habe ich den Entwicklern angeboten, es für den deutschen Sprachraum zu übersetzen. Das habe ich aus einem einigen Motiv gemacht: Ich wollte die App auf deutsch haben. Und da ich von Inspire überzeugt bin, würde es mich sehr freuen, wenn meine Übersetzung des Programms den Entwicklern einen neuen Markt erschließt, wo es als Markdown-Editor mit vielen anderen Apps in Konkurrenz tritt - und aus meiner Sicht, ganz entscheidende Vorteile hat.

Inspire Writer ist also ein Markdown Editor, in dem man seine Schreibprojekte in Ordner und Unterrdner zusammenstellen, und die Blätter beliebig beschlagworten und schlichten kann. Ordner heißen hier Gruppen, und Dokumente sind Blätter.

Was ist Markdown?

Markdown ist eine vereinfachte Auszeichnungssprache, die von John Gruber und Aaron Swartz entworfen und im Dezember 2004 mit Version 1.0.1 spezifiziert wurde. Ein Ziel von Markdown ist, dass schon die Ausgangsform ohne weitere Konvertierung leicht lesbar ist. Als Auszeichnungselemente wurden daher vor allem Auszeichnungsarten verwendet, die in Plain text und E-Mails üblich sind. Auch andere Auszeichnungssprachen mit ähnlichen Zielen zur Lesbarkeit – wie reStructuredText oder Textile – hatten Einfluss auf die Syntax. Der MIME-Type lautet text/markdown.[1]Eine Markdown-Konvertierungssoftware wandelt Text in gültiges und W3C-konformes XHTML um. Die Referenzimplementierung in Perl steht unter einer BSD-artigen Lizenz. Weiter sind inzwischen Implementierungen in den gängigsten Programmiersprachen wie C (z. B.[2]), PHP (z. B.[3]), Python (z. B.[4]), Go(z. B.[5]) oder JavaScript (z. B.[6]) sowie R verfügbar.  

 Vereinfacht gesagt ist Markdown nichts anderes als reiner Text (*.txt), in dem mit Hilfe von "Zusatzzeichen" die Darstellung des Textes beeinflusst wird.
Ein umfangreiches Cheat-Sheet zu Markdown gibt es hier: https://github.com/adam-p/markdown-here/wiki/Markdown-Cheatsheet.
Ja, das sieht alles fuchtbar kompliziert aus, ist es aber nicht, weil sogar ich es behirnt habe. Gemekrt habe ich mir nur die Auszeichnungen für Überschriften und Textmarkierungen. Bei allem anderen gehe ich seelbst ins Cheat-Sheet nachschauen.Der Vorteil ist: man braucht keine Maus mehr. Man kann die Hände auf der Tastatur lassen und navigiert im Text nur noch mit der Tastatur.

Inspire Writer bietet eine klare, bestechend einfache und logische Bedienung, und ein frisches, sehr einfaches Aussehen, das nicht nur so tut, als wäre es ablenkungsfrei, sondern wirklich so ist.
Organisiert wird all das, was man schreibt, in einer Datenbank, die Inspire bei der Installation und Angabe eines Cloudspeichers, in der Cloud ablegt. Von dort wird es ständig synchron gehalten, man muss nicht auf Speichern klicken. Inspire kümmert sich selbst sehr ausgereift um Backups (die ich zum Beispiel auf einer externen Festplatte ablege, falls mal das Internet explodiert)
Derzeit scheint es für die Arbeitsoberfläche nur ein Template zu geben, das man mit einer Auswahl sehr gut lesbarer Schriften verwenden kann. Ich gehe davon aus, dass die Entwickler von Inspire recht bald weitere Templates anbieten werden, damit die Benutzer die App noch besser auf ihre Bedürfnisse anbieten können.


Wie das alles meinen Workflow beeinflusst?
Ich verfasse das Rohmanuskript von Kurzgeschichten, Novellen, Erzählungen und Romanen in Inspire Writer, mache die (Duden)Korrektur in Textmaker und Danke schön, das war´s.

Das übersetzte *.ini File habe ich nun an die Entwickler geschickt und sobald ich einen abschließenden Test mit dem übersetzten Programm gemacht habe und alles passt, wird es nicht mehr lange dauern, bis es einen deutschen Release von Inspire Writer geben wird.
Für alle, die so etwas wie Ulysses für Windows suchen, tut sich hier eine wirklich spannende und schöne Möglichkeit auf!


04.04.2019

Fokussiertes Arbeiten


Seit langem treibt mich ein Verdacht um, ein Gefühl, vielleicht sogar eine Befürchtung. Werde ich senil? Verliere ich meine Fähigkeit, konzentriert und ausdauernd an einer Sache zu arbeiten? Verblödet komme ich mir nicht vor, aber zerstreut, und - das ist verzwickt - fragmentiert im Denken. Bis zu einem gewissen Grad fällt es mir leicht, den Schuldigen dafür auszumachen. Es ist die Bequemlichkeit, sich nichts wirklich widmen zu müssen, wenn man ununterbrochen abgelenkt und unterbrochen wird bei dem, was man gerade tun will.
Schreib eine Szene, recherchiere ein Detail (zB in meiner Kurzgeschichte über Vampire, die einen Jahrmarkt der Wiedergutmachung betreiben, über die Wälder nördlich von Budapest) und drei Stunden später Twitter gelesen und Facebookpostings gecheckt, auf Amazon ein Buch gesucht und auf Google Maps blödsinnig herumgescrollt.

Das Gefühl für den Wert ernsthafter Arbeit wurde zurückgedrängt vom Wunsch, für jeden Schaß, den man lässt, belohnt zu werden, ohne eine Anstrengung auf sich zu nehmen. Ein Like hier, ein Herzchen da, ein Schulterklopfen aus der Anonymität für eine möglichst angepasste Meinungsäußerung (die nur auf rebellisch tut) um möglichst viele Likes einzukassieren.
Ernsthafte, stundenlange Arbeit ist unattraktiv geworden, wenn man doch das wohlige Gefühl, geliked zu werden, so billig abstauben kann.
Das ist ein Erziehungs- ein Lerneffekt, der zutiefst toxisch wirkt auf unsere Fähigkeit, sich ernsthaft und nachhaltig mit Themen auseinanderzusetzen.
Gerade als Schriftsteller ist es verheerend, das gute Gefühl langer, konzentrierter Arbeit einzutauschen gegen billige Effekthascherei und Zerstreuung, für die man gesellschaftlich belohnt wird.

Alles an unseren digitalen Helfern ist darauf aus, uns von dem abzulenken, was wir gerade tun - oder auch nicht tun, denn selbst das Nichttun ist eine Entscheidung, die man trifft. Ununterbrochen, wird uns suggeriert, liegt die Bestätigung der eigenen Weltsicht nur einen Fingerwisch weit weg. Die Orientierung im Leben durch das regulierende Kollektiv, alles da. Brauchst nicht nachdenken, nicht Zeit verschwenden mit dicken Büchern, musst nicht arbeiten für das Gefühl, ein wertvoller Teil der Gesellschaft zu sein. Like die anderen und du wirst geliked. Ganz ohne Nachdenken und ohne Stress.

Freunde, das ist Beschiss hoch 3!
Und deswegen streife ich wie eine unwirsche Katze um die Themen Digital Detox, Paperwork, Deep Work - jetzt schaut mich an, von Anglizismen vergiftet wie ne Nutte nach einem dreckigen Fick mit einer Tripperschleuder!
Aber es ist nicht leicht, ich kann Euch sagen. Sich aus diesem leichtfüßigen Belohnungssystem auszuklinken, ist harte Arbeit.

Digitaler Minimalismus und die Kultur

Der digitale Minimalismus bezieht sich nicht darauf, dass man voll und ganz auf Soziale Medien verzichtet, sondern wie man sie so nutzt, das...